Geschichte

Der Beginn – die Jahre 1992 und 1993

"Wenn wir ganz und gar aufgehört haben, Kind zu sein, sind wir tot."

Dieses Zitat des großartigen Schriftstellers Michael Ende steht auf jeder Premierenkarte unseres Theatervereins und ist gleichzeitig Sinnspruch für unsere Arbeit.

Doch wie entstand eigentlich der Verein? Was ist in all den Jahren eigentlich passiert?

 Beginnen wir im Dezember 1992:

Durch die nähere Bekanntschaft mit unserer Partnerschule in Weilheim/Teck (Baden-Württemberg) erfuhren wir von der langjährigen und sehr erfolgreichen Existenz einer Schüler-Theatergruppe.

Im Dezember 1992 erschien bei uns die zweite Weilheimer Lehrerdelegation und mit ihr die zwei Hauptverantwortlichen des dortigen Theaterlebens: Martin Perraudin und Michael Neumann.

So kam es, dass wir Schüler suchten, die sich fürs Theaterspielen interessierten, und es fanden sich gar viele aus den unteren Klassen ...

Der erste Workshop wurde organisiert, den Martin und Michael leiteten und mit vielen, für uns neuen Ideen bereicherten, und der von den Kids begeistert aufgenommen wurde.

Am 10.12.1992 aber fuhren die Weilheimer nach Hause. Wie sollte es weitergehen? Gesucht wurde jemand, der die Begeisterung der Kinder teilte, ja, sie noch weiter entfachte - so schrieb es die Schulchronistin der Schillerschule Sabine Dummer damals auf:

"Unser Kollege Torsten Schlegel, der selbst als Teenager schon "Werke" verfasste und an Poetenseminaren teilnahm - also jemand, der nicht gleich aufgeben würde und vor allem die Sache mit jugendlichem Elan anging."

Es war Januar 1993 und die Theatergruppe der Friedrich-Schiller-Mittelschule war geboren.

Viele kamen - 17 blieben.

Im Januar 1993 begannen wir mit regelmäßigen Zusammenkünften der Truppe, mit unkonventionellen Lockerungsübungen und dem Einprägen einfacher Texte.

Wir begannen mit der Arbeit an unseren ersten zwei Stücken im Frühjahr 1993:

"Der Elefant auf Papas Auto" und "Das Wunderelixier".

Nach vielen nervenaufreibenden Proben eine große Freude - im Herbst 1993 wurden wir nach Weilheim eingeladen, zu einem gemeinsamen Workshop mit der dortigen Theater-AG. Vom 05. bis 09. Oktober waren wir dort, untergebracht bei den Familien der Theater-AG-Mitglieder. Und natürlich spielten wir auch: im reichlich gefüllten Musiksaal der Weilheimer Schule. Und es gab reichlich Applaus dafür!

Im Dezember 1993 zeigten wir beide Stücke in der heimischen Aula. Das war wohl der Beginn unserer Dezember-Premieren-Tradition:

Und unser erstes Programmheft war damals noch ein einfacher Handzettel.

Und auch damals bewiesen wir schon, dass wir multitasking-fähig waren. Im November bereits, aus Anlass der Schillerfeier, war das nächste Stück im Repertoire - eine Aufführung von Schillers Ballade "Die Bürgschaft".

beim Workshop mit den Weilheimern

erstmals auf der alten Aulabühne

"Die Bürgschaft"

der Besuch in Weilheim

Blumen für alle - zum allerersten Mal!

Das erste Plakat

Szene aus "Das Wunderelixier"

Skizze zur Positionsverteilung auf der Bühne

abfotografiert aus dem ersten Band unserer Theaterchronik

die erste Pressemitteilung

beim Tag der offenen Tür

Kostümentwürfe für "Abenteuer im Zauberland"

Kostümprobe Teil 1

die allererste Truppe - die Gründer sozusagen

Und es geht weiter mit der Presse ... wenns einmal läuft ...

 

Das Jahr 1994

Über ein Jahr nun arbeiteten wir gemeinsam und wir hatten im Laufe dieser Zeit einiges an Mut und Selbstvertrauen dazu gewonnen, um uns bald an größere Projekte zu wagen.

Wir wussten nach den ersten kleinen Erfolgen, dass wir uns nicht zu verstecken brauchten und präsentierten uns erstmals in der Öffentlichkeit beim Tag der offenen Tür 1994.

Im Frühjahr begannen wir mit den Arbeiten an der Inszenierung von Alexander Wolkows "Zauberer der Smaragdenstadt".

Der Stückaufbau und die Szenenfolge wurden konzipiert, der Text geschrieben (damals noch auf einem Amiga 500, gedruckt wurde auf einem 9-Nadel-Drucker). Wir überlegten uns, welche Rolle zu wem passen könnte, wie die Kostüme aussehen sollten und fertigten Figurinen an.

Dann ging es daran, die passenden Stoffe (natürlich möglichst preisgünstig) zu finden, eine Requisitenliste zu erstellen und diese dann in die Realität umzusetzen.

All das klingt recht passabel und einfach, wenn es hier so gelesen wird. Wir bewegten uns damals jedoch auf absolutem Neuland, jeder Schritt war eine Erfahrung, die wir noch nie gemacht hatten. Unterstützung gab es dabei von den unterschiedlichsten Seiten.

So erhielt ich eines Morgens in der Schule einen Anruf aus der Stadtverwaltung, dass das Lager der Kunstblume in Neustadt (es war, glaube ich, auf der Karl-Marx-Straße) schließe und wir, wenn wir denn Zeit hätten, uns von dort Stoffe holen könnten. So musste ich mich kurzfristig vom Unterricht entschuldigen lassen (Einmal mehr ein Dank an die Chefetage!) und fuhr gemeinsam mit dem Hausmeister zu besagtem Lager, wo wir uns bedienen konnten und den Kofferraum mit Stoffballen vollpackten. Es waren, so meine ich, drei Fuhren, und von den Stoffballen jener Zeit haben wir heute noch einiges auf Vorrat. Man weiß ja nie.

Geprobt wurde damals übrigens im Zimmer 31 der Schule, dem ursprünglichen Mathezimmer.

Unser erster Auftritt jenseits der Schulmauern in Neustadt oder Weilheim führte uns dann im Mai 1994 nach Dresden. Wir hatten uns beim 4. Landesschülertheatertreffen im Theater der Jungen Generation beworben und waren angenommen worden.

Zu diesem Zeitpunkt konnten wir allerdings noch nicht das komplette Stück, sondern nur erste Ausschnitte präsentieren. Das gelang uns dann doch recht gut und vor allem Vicky Rückert als Elli, Ramona Leuthold als Dienstmagd Fregosa und Constanze Rasche als böse Zauberin Bastinda überzeugten. Auch die Presse berichtete wieder sehr positiv.

Im Stillen wurde weitergearbeitet bis in den Herbst hinein. Na gut, nicht immer im Stillen. Wir waren und sind bekannt dafür, dass es bei uns nur selten leise zugeht. Aber hallo! Wie soll man proben, ohne Krach zu machen? Wie soll man Emotionen rauskitzeln, wenn man nicht krabbeln darf? Wie soll man Kinder begeistern, so dass sie aus sich herausgehen, wenn sie dabei schweigen müssen? Das geht nicht! Also machten wir weiterhin Krach und studierten (nebenbei) auch noch Schillers "Handschuh" für die Ausgestaltung der Schillerfeier ein (ihr erinnert euch- im letzten Jahr war es die "Bürgschaft".)

Das Jahr 1995

Ein Höhepunkt im doppelten Sinn ereilte uns im Februar 1995. Wir präsentierten mit "Abenteuer im Zauberland" unser erstes abendfüllendes Theaterstück. Die Generalprobe vor dem Publikum der 5. Klassen fand am 09. Februar statt, einen Tag später dann die Premiere und am 03. März eine weitere, diesmal öffentliche Aufführung. Außerdem traten wir zum ersten Mal unter unserem neuen Namen auf: Schillers Schüler.

Thomas Nedon und Fabian Altmann waren unsere ersten Techniker und Sindy Meschke sowie Claudia Kühne traten als Souffleusen in Erscheinung. Stellvertretend für alle Eltern, die uns damals halfen, soll an dieser Stelle vor allem Herr Nedon genannt werden, der unser erstes Technikpult baute.

Die Premiere lief hervorragend. Rund 90 Minuten Spielzeit und zwölf Bilder begeisterten das Publikum. Die anfängliche Nervosität war bald überwunden, 15 Schauspieler und 5 Helfer boten "Action", die das Publikum bald mitriss. Und der Schulleiter, Herr Anders, zeigte erstmals und als Beginn einer weiteren Tradition, dass auch in ihm ein Schauspieler steckte. Sein rotes Notizbuch für den nächsten "Anschiss" kannten die Schüler und Eltern noch nicht, und mit "Oh Gott, mein Chef!" wird ein Schulamtsleiter auch nicht alle Tage begrüßt.

Mit Elli und Toto freuen sich Ramona Leuthold als Fregosa, René Hofmann als feiger Löwe, Daniel Steglich als eiserner Holzfäller und Thomas Forkert als Scheuch.

Im Frühjahr 1995 nahm die Sächsische Arbeitsstelle für Kinder und Jugend in Person von Frau Dr. Lüben Kontakt zu uns auf. Man versuchte damals ein Projekt zum Thema Schülerfirmen in Sachsen zu etablieren und der Schulamtsleiter Herr Hobohm, der bei der Premiere anwesend war ("Oh Gott, mein Chef!"), empfahl uns, als eine Gruppe aus dem Bereich Kultur für die Teilnahme an diesem Projekt gesucht wurde. So gehörten wir zu den ersten fünf Schülerfirmen in Sachsen.

Mit diesem Begriff „Schülerfirma“ taten wir uns anfangs schwer, schließlich war und ist es bis heute nicht einfach, mit Kultur Geld zu verdienen. Also einigten wir uns darauf, als Verein in das Projekt einzusteigen. Schillers Schüler trugen seitdem das Kürzel "n.V." für "nichteingetragener Verein" im Namen.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion schufen wir uns eine Vereinssatzung. Vorlage war dabei übrigens die Satzung der freiwilligen Feuerwehr Neustadt, die für unsere Zwecke umformuliert wurde.  Es gab eine Gründungsversammlung und ein Vorstand, der aus Schülerinnen und Schülern bestand, wurde gewählt. Warum taten wir das alles? Nun, es gab Unterstützung von Seiten der Arbeitsstelle, nicht nur finanzieller Art (das auch, das hat uns sehr geholfen), sondern auch in Form von Schulungen und Treffen, bei denen man sich mit anderen Teilnehmern des Projektes austauschen konnte. Und außerdem ... warum nicht mal was Neues riskieren? Verlieren konnten wir eigentlich nicht.

So, nun noch einmal zurück zu den "Abenteuern im Zauberland". Wie kamen wir auf diesen Stoff? Die Antwort ist etwas komplexer: Auf Grund der guten Zusammenarbeit zwischen "Schillers Schülern" und der Weilheimer Theatergruppe kamen wir (das sind Martin Perraudin, Michael Neumann und ich) auf die Idee, einen Stoff fürs Theater zu finden, den beide Gruppen parallel, aber unabhängig voneinander inszenieren sollten. Das Ganze hatte dabei noch den motivierenden Hintergrund, dass die Robert-Bosch-Stiftung Fördermittel bereitstellte für Schulen in Ost und West, die gemeinsame Projekte bearbeiteten. DAs taten wir nun mit Alexander Wolkows "Zauberer der Smaragdenstadt" und die Weilheimer mit Frank L. Baums "Zauberer von Oz". Weit über ein Jahr hin probten wir nun - und dann kam das Finale: Wir fuhren im Mai 1995 nach Weilheim, um dort die Premiere von "Magic Oz" zu erleben und am nächsten Tag "Abenteuer im Zauberland" zu spielen und im Herbst sollte dann der Gegenbesuch erfolgen.

Anlässlich des 17. Neustadttreffens vom 1. bis 3. September 1995 spielten Schillers Schüler auf dem Neustädter Marktplatz eine "Schulstunde Anno Dazumal".

Am 8. September fand die Jahreshauptversammlung von Schillers Schülern statt. Gäste dabei waren u.a. der Schulamtsleiter Herr Hobohm und Frau Dr. Lüben sowie unsere Schulleitung. Alle mitarbeitenden AGs stellten ihre Jahresvorhaben vor, der neue Vorstand wurde gewählt und zum Abschluss wurde der neue Probenraum auf dem Dachboden der Schule eingeweiht.

Anfang Oktober kamen dann endlich die Weilheimer zu Besuch. Highlights der Woche waren natürlich die Vorstellung "Magic Oz" sowie die Fahrten nach Dresden und durch die Sächsische Schweiz ... und der Besuch des Monte Mare.

Anlässlich der Schillerfeier 1995 wichen wir vom bisherigen Weg der Darstellung einer Ballade ab und zeigten dem Publikum stattdessen Szenen aus Schillers Leben - vor allem über seine Erlebnisse an der württembergischen Karlsschule.

Letzter Höhepunkt des Jahres 1995 waren vier weitere Vorstellungen von "Abenteuer im Zauberland", drei davon vor Schülern der umliegenden Grundschulen. Eine Tradition begann hier, die wir bis heute fortführen und die unser Konzept unterstützt, Theater von Kindern für Kinder zu machen und gleichzeitig finanziell so wenig wie möglich abhängig zu sein.

 

Das Jahr 1996

Ohne den Mund zu voll zu nehmen - 1996 war für Schillers Schüler ein Jahr der Highlights!

Im Januar wagten wir uns an ein Experiment der besonderen Art. Im Rahmen einer Fortbildung hatte ich gelernt, wie man Gipsabdrücke von Gesichtern nehmen kann - irgendwo im Fundus muss auch noch der Abdruck meines Gesichtes liegen  - und so riefen wir alle zusammen, die Lust dazu hatten, und gipsten sie ein. Im Februar dann feierten wir dann Fasching. Die Bring-Along-Party war echt super, das mitgebrachte Essen mundete allen, es Theaterspiele vom Feinsten usw.

 

Im März folgte unser erster Auftritt des Jahres. Wir spielten beim Schülertheatertreffen des Landkreises in den Tannensälen in Pirna und zeigten dort noch einmal unsere Szenenfolge zum Leben von Friedrich Schiller. Auch für das kommende Jahr wurden wir wieder eingeladen - leider gab es seitdem kein solches Treffen mehr.

 

Dann kam der Mai und mit ihm das Landesschülertheatertreffen in Dresden. Diesmal waren wir jedoch nicht als Mitspieler dabei (die Arbeiten am neuen Programm dauerten noch an), sondern als Zuschauer. Und es gab eine nette kleine Überraschung am Rande: Cora Hoffmann, unsere ehemalige Mitspielerin, die inzwischen umgezogen war, stand in Dresden auf der Bühne - als Mitglied des Kindertheaters Sohland.

 

Im August, also direkt nach Schuljahresbeginn, stieg das Straßenfest auf der Neustädter Böhmischen Straße. Und erstmals waren wir dabei - mit der wohl direktesten Art des Theaterspiels, dem Straßentheater. Unser "Zirkus" zeigte Jongleure, Artisten, Raubtierbändiger und nicht zu vergessen die singende Kuh (Insider wissen jetzt Bescheid), die mit ihrem Hit "My Bully is over the Ocean" ganz sicher bei jeder Castingshow in den Recall gekommen wäre. Leider gab es so etwas damals noch nicht.

 

Im September trafen sich alle fünf am Modellversuch beteiligten Schülerfirmen zu einem Markttag in Dresden. Stände wurden aufgebaut, die Theatergruppe bereitete sich darauf vor, ihren "Straßenzirkus" zu spielen, die AG "Künstlerische Gestaltung" schminkte viele Gesichter, die "Video-AG" stellte am Stand ihren Film über die Schillerfeier 1995 vor und die Schülerredakteure, die es damals noch gab und die zum Verein gehörten, zeigten die Chronik und gestalteten unseren Marktstand. Vier Lehrer und etliche Schüler nahmen an verschiedenen Diskussionsforen teil und beschäftigten sich in Arbeitsgruppen mit dem Thema "Schülerfirma".

 

Drei Tage danach der Hammer! Ich meine, wir waren ja schon aufgeregt ... aber unser Schulleiter erst!!!

Warum? Ganz einfach: Der Kultusminister Dr. Mathias Rösler hatte sich zum Schulbesuch angesagt. Die ganze Schule war geputzt und fein gemacht, die Aula hatten wir extra für diesen Tag besonders dekoriert ... die vor drei Tagen erworbenen Marktstände wurden gleich zum erstem Mal genutzt ... und dann ... gegen 17 Uhr war ER da!

Es gab viele Reden von wichtigen Leuten, wir führten ihn durch die Aula und stellten ihm unseren Verein vor, inklusive einer Vorstellung einiger Szenen des neuen Theaterstückes "Peter Pan", das im Dezember Premiere feiern sollte.

Leider war das der einzige Ministerbesuch in unserer Schule bis zum heutigen Tag. Wenn man sich jedoch überlegt, dass es "Schillers Schüler" mittlerweile schon 19 Jahre lang gibt und wir also im kommenden Jahr ein Jubiläum feiern, das wohl nur wenige Schülerfirmen aufweisen können, dann wäre es wohl wieder an der Zeit, uns bzw. sich mit einem Besuch zu beehren.

 

Und nun Wichtigeres: PREMIERE! Am 5. Dezember 1996 betrat "PETER PAN" die Bühne der Schillerschule. Der Saal war prall gefüllt, wieder waren etliche VIPs unserer Einladung gefolgt, und so konnte Herr Anders in gewohnt launiger Art die Premiere eröffnen

Es ist für uns jedes Mal neu aufregend und spannend, auf die Bühne zu gehen und das Publikum in eine andere Welt zu führen. Auch bei "Peter Pan" ist bzw. war das so. Ich weiß nicht genau warum, aber "Peter Pan" ist bis heute eines meiner Lieblingsstücke und vielleicht machen wir ja irgendwann mal eine Neuinszenierung. Wer weiß? "Peter Pan" war insgesamt acht Mal zu sehen.

Insgesamt sahen ca. 1350 Zuschauer dieses Stück.

 

So. War das ein Jahr? Dann wartet mal ab, was 1997 so alles passierte.

 

Das Jahr 1997

Im Jahr 1997 war kein Minister bei uns zu Gast. Trotzdem gab es jede Menge Events. Wir begannen im Januar mit zwei weiteren Vorstellungen von "Peter Pan". Den letzten Schultag vor den Winterferien feierten wir wieder gemeinsam mit einer großen Faschingsparty.

Schnitt. Übergang. Landesschülertheatertreffen in Heidenau am 25. April 1997. Mit "Ein Sommernachtstraum" beginnen wir eine inzwischen schon ziemlich lange und auch recht erfolgreiche Tradition der Bearbeitung klassischer Theaterstoffe. Der Applaus bei der Premiere bewies, dass wir mit unserer Inszenierung nicht falsch lagen.

Das Dankeschön unserer Schulleitung für die Premiere im Dezember war eine Fahrt nach Dresden ins Theater der Jungen Generation. Am 29. Mai sahen wir dort das Theaterstück "Armer Ritter". Im Anschluss gab es noch eine richtig tolle Theaterbesichtigung inklusive der Kulissenwerkstätten, der Näherei und der Schminkräume.

  1. Juni - Kindertag. Und Kinderfest an der Neustadthalle. Und wir dabei. Mit Kinderschminken und "Sommernachtstraum". Eine Woche später schon die nächsten Auftritte. In Neustadt fand zum 4. Mal das Straßenfest auf der Böhmischen Straße statt. Wir spielten viermal. Heftig, was?

Einen Tag später bereits waren wir wieder unterwegs und spielten auf der Festung Königstein, anlässlich des Festivals der Chöre.

  1. Juni. Wieder eine Woche später. Wir spielten zum Dresdner Brückenfest mitten auf der Augustusbrücke. Zweimal. Bei heranziehenden dunklen Wolken. Aber ein genialer Spielort. Aufgeschlossenes Publikum. Lecker Eis.

Unsere Theatergruppe hat sich inzwischen in der Region schon einen (guten) Namen gemacht und so werden wir auch ab und an gefragt, ob wir nicht ... Und so sind einige von uns zum Beispiel dabei, als am 12. Juli 1997 die Gaststätte "Kugel" eröffnet wird. René Hofmann, Steffen Werner, Sven Hanke und Ramonas Leuthold begrüßen im Kostüm die Gäste.

Das neue Schuljahr beginnt. Gleich zu Beginn wieder ein Hammer-Ereignis. Wir sind dabei beim Bundesschülertheatertreffen in Dresden. Und wir spielen im Zwinger! Hallo! Im Dresdner Zwinger! Das muss uns erst mal jemand nachmachen! Wir sind stolz wie Bolle!

Am 29. September fuhren wir nach Berlin Weißensee. Also, nicht alle. Sondern der Vorstand. René, Kristi, Katrin und Ramona präsentierten unseren Theaterverein beim Messe-Markt-Meeting der Schüler- und Juniorfirmen in Berlin Weißensee.

Der Herbst war noch nicht vorüber. In Neustadt fand am 4. Oktober das Tanzfestival statt. Und unsere Maskenbildner, die sich inzwischen schon professionell gaben, waren wieder mit dabei.

Zwei Tage später eine weitere Präsentation. Diesmal anlässlich der Hausmesse des Sparkassen-Schulbeirates. Ja, was es so alles gab. Das waren noch Zeiten. Von 10 Uhr bis 17 Uhr stellten wir hier in Pirna unseren Theaterverein vor. Im Vorstellen waren wir inzwischen recht gut.

Kurz danach fand unsere Jahreshauptversammlung 1997 statt. René Hofmann ist nun unser Vorsitzender.

Am 29. November wurde der Balkon Neustadts, die Götzinger Höhe neu eröffnet. Und bei so einem Event dürfen natürlich auch berühmte Neustädter nicht fehlen. Deshalb trafen die Herren Götzinger, Kaulisch und Dr. Schaffrath rechtzeitig auf der Höhe ein um ihre besten Wünsche zu überbringen. Da die Originale aus Altersgründen nicht mehr persönlich vorbeischauen konnten, vertraten Thomas Forkert, René Hofmann und meine Wenigkeit die Herren. Das war mein erster Auftritt als Götzinger - es sollte nicht der letzte sein.

Nun geht es aufs Jahresende zu und da heißt es doch so schön: Winterzeit ... Adventszeit ... Theaterzeit! Richtig, die nächste Premiere steht ins Haus. Diesmal "A.Ladin" - ja, genau in dieser Schreibweise. Die Geschichte spielt mit dem Gedanken, was denn wäre, wenn die Geschichte mit Aladin und der Wunderlampe kein Happy End gehabt hätte.Wie könnte man das denn in Ordnung bringen? Und wenn man dann zufällig noch Alexandra Ladin heißt?

Ganz viel Applaus war der Lohn für diese Inszenierung. Und auch die Presse berichtete wieder positiv über uns. Die Eröffnung der Premiere lag wie immer in den Händen von Herrn Anders, der diesmal als Weihnachtsmann erschien. Bis in den Januar hinein spielten wir "A.Ladin" insgesamt 8 Mal vor etwa 1500 Zuschauern.

Das Jahr 1998

Das Jahr 1998 begann mit einer sehr guten Nachricht für den Theaterverein. Es ging um unsere Technik. Unsere Tontechnik bestand bis zu diesem Zeitpunkt aus einem Hifi-Tower aus dem Versandhandel und einigen weiteren zusammengestückelten Technika. Die Lichttechnik - ja, die hat auch eine eigene Geschichte. Als die Neustadthalle bzw. deren großer Saal renoviert wurde, sollte auch sie mit neuer Lichttechnik ausgestattet werden. Ein aufmerksamer Mitdenker rief daraufhin bei mir an und bot mir die alte Lichttechnik zum Nulltarif an. Der Haken dabei: Selbstabholung. Also fuhr ich mit meinem Auto mehrfach an die Neustadthalle, kletterte mit dem Werkzeugkasten auf die Traversen hinter bzw. über der Bühne und demontierte dort Scheinwerfer für Scheinwerfer, trug sie hinunter und nach draußen ins Auto, fuhr sie in die Schillerschule und schleppte sie hoch in die Aula. Das ganze Procedere lief mehrmals hintereinander ab. Die Ständer für die Scheinwerfer schweißte ein Bekannter, die Verkabelung erledigten die Techniker und ich und ein befreundeter Elektriker nahm sie ab.

Nun also neue Technik: Wie kam es dazu? Im Herbst stieß mein Schulleiter auf eine Veröffentlichung des Kultusministeriums, informierte mich über das Projekt "Medienpädagogische Innovationen" und sagte, dass ich noch zwei Tage Zeit hätte, eine Bewerbung auf die Beine zu stellen, dann wäre die Anmeldefrist vorüber.

Na gut. In einer langen Nachtaktion schrieb ich somit eine Bewerbung zusammen, in der es um neue Lichttechnik ging, und weil ich gerade so am Schreiben war, verfasste ich gleich noch eine zweite für Computertechnik. Ursache war die Hoffnung, dass bei zwei Bewerbungen, die noch dazu ebenso vor Toresschluss eintrudeln, wenigstens eine genehmigt wird. Und siehe da - beide wurden genehmigt, mit einer Gesamtsumme von 21.000 DM. Alle waren glücklich - bis auf den Kämmerer der Stadt Neustadt - wir hatten (also ich) übersehen, dass die Stadt einen Eigenanteil von 25 % dabei erbringen sollte. Das hatten wir wohl vergessen, der Stadt mitzuteilen ... Aber ehrlich, wäre das in zwei Tagen genehmigt worden? Egal, die Stadtverwaltung sagte im Nachhinein Ja zu der Angelegenheit und alle waren happy über neue PC-Technik, ein großes Steuerpult, Verstärker, kabellose Mikrofone, Punktscheinwerfer etc.

Wenn das kein Grund zum Feiern war! Also feierten wir, und zwar Fasching.

Die nächsten Termine des Jahres betrafen diverse Präsentationen im gesamten Landkreis.   

Inzwischen probten wir natürlich schon wieder emsig an unserem Sommerstück mit dem viel versprechenden Titel "Schneewitterich und die sieben Fruchtzwerge"

Titel wie Stück entstanden aus diversen Spielereien und Spinnereien während der Proben und so entwickelte sich diese moderne Abart des alten Grimm'schen Märchens. Die ersten Auftritte waren in Neustadt, Neukirch und Zschopau. Etliche weitere folgten. "Schneewitterich" bezog, wie vorherige Sommerstücke und auch die nachfolgenden, aktuelle Themen und Missstände mit ein. Es ging auch um Waldsterben, um Arbeitslosigkeit, Karrieresucht und den Fluch der modernen Technik. Auch mussten die sieben Zwerge beim Finanzamt antreten, weil sie als "Steuerriesen" eingestuft worden waren. Und Schneewitterich sollte mit einem vergifteten Walkman umgebracht werden.

So. Nun kommen wir zum absoluten Highlight des Jahres 1998: „Hexen hexen“ im Sächsischen Landtag.

Wie war es dazu gekommen? In den Räumlichkeiten des Landtages fand an diesem Tag eine Fachtagung "Mittelschule" des SMK statt. Wir waren gebeten worden, an der kulturellen Umrahmung der Veranstaltung teilzunehmen. Dafür wählten wir einen Ausschnitt aus unserer neuen, gerade entstehenden Inszenierung von "Hexen hexen" nach Roald Dahl, und zwar die Eröffnung der Hexenkonferenz. Auf Grund der Special Effects (Nebelmaschine, Lichteffekte) musste wegen uns die Alarmanlage des Hauses abgeschaltet werden. Fragt lieber nicht, wie viele "wichtige" Leute mit uns diskutierten. Nein, es ging nicht anders!

Und dann kam Natalies Autritt. Sie stellte die Oberhexe dar und hielt eine Rede am Pult, an dem sonst der Ministerpräsident stand. Und ihre Rede? Natalie tobte und schnauzte die Anwesenden derart an, dass so mancher in seinem Sitz zusammenzuckte:

„Kinder! Ich hasse Kinder! Kinder sind zum Kotzen!

Wir werden sie wegpusten!

Wir werden sie durch die Gullis spülen!

Meine Befehle lauten, dass jedes einzelne Kind in diesem Land zermalmt werden soll,

zerdrückt, zerquetscht, zerstampft oder zerkocht, bis ich im nächsten Jahr wiederkomme.“

Anschließend wurde die unbotmäßige Hexe Monique noch auf offener Bühne mit Special Effects umgebracht und dann marschierten die Neustädter Hexen wieder ab.

Auch die Presse berichtete ausführlich, ganz klar. Eines müssen wir aber noch sagen: Weil es durch diese Aktion hinsichtlich der anderen Proben recht eng geworden war, wichen wir vom bisherigen Premierenweg ausnahmsweise einmal ab und verlegten die Premiere auf den Beginn des nächsten Jahres.

Für die Schillerfeier des Jahres 1998 hatten wir uns diesmal etwas Besonderes einfallen lassen:

Wir spielten mit den Buchstaben des Namens unseres Klassikers. Dazu zerlegten wir die Wörter und bildeten neue aus den Buchstaben, verknüpften das mit Auftritten und Abgängen und stellten die Begriffe pantomimisch dar.

Die Schillerurkunde, die höchste Auszeichnung unserer Schule erhielt übrigens unser Theater-Ass René Hofmann. Er war der erste unseres Vereins, der diese hohe Ehrung bekam, jedoch nicht der letzte.

 

Das Jahr 1999

Das Jahr 1999 begann mit der aus dem Dezember heraus verschobenen Premiere von „Hexen hexen“. Das Publikum jubelte, die Special Effects beeindruckten, die Presse war voller Lob. Und selbst die Sparkasse widmete uns in ihrer Jahresbilanz einen mehrseitigen Artikel mit etlichen professionellen Fotos. Etwas später zierten wir sogar das Titelblatt des „Fingerzeiger“, der Zeitschrift für Sachsens Lehrer. Ebenfalls im Januar gestalteten wir die komplette Aula der Schule zum Tag der offenen Tür. Fasching war nun schon Tradition und wieder gaben sich etliche bunt gekleidete Gestalten die Klinke in die Hand, tanzten und schmausten.

Bereits am 1. März wartete das nächste Highlight – die Eröffnung des Regionalschulamtes Dresden. Aus diesem Anlass gab es ein weiteres Mal den „Sommernachtstraum“.

Dann durften wir endlich unseren Lohn für die winterliche Premiere in Anspruch nehmen. Wir fuhren in den Spreepark nach Berlin (den es leider mittlerweile nicht mehr gibt – was aber nicht an uns lag). Die diversen Fahrgeschäfte wurden natürlich kräftig genutzt, vor allem die Riesenschaukel und die Wildwasserbahn.

Der Sommer kam und mit ihm eine ganze Festwoche. Die Schule feierte 125-jähriges Bestehen. Zur großen Auftaktveranstaltung standen wir auf der Bühne der Neustadthalle und zeigten einen Auszug aus Schillers berühmtem Freiheitsdrama „Wilhelm Tell“. Robin ließ sich den Apfel vom Kopf schießen, Jana gewann bei der Tombola einen riesigen Teddybär und Sarah half beim Büchsenwerfen aus.

Den „Tell“ zeigten wir im Herbst ein zweites Mal – bei der Schillerfeier. Zu diesem Zeitpunkt hatte unsere „Stellenausschreibung“ für neue Techniker bereits Früchte getragen: Stephan, der ruhige Lichttüftler, Patrick, der Tontechniker und hemmungslose Kabelkürzer, und Tino, der Bühnenarbeiten stets nach eigenem System in Angriff nahm. Und diese drei hatten gleich zu Beginn ihrer Karriere eine echte Herausforderung zu stemmen. Für das neue Winterstück „Weihnacht a.D.“ galt es, einen Trabbi (Ja, einen echten, allerdings ohne Räder und Motor!) in die Aula zu hieven. Leider gelang das nicht im ersten Anlauf und so wurde das gute Stück eben mittendurch geflext und in zwei Teilen hoch geschleppt. Dass das Ganze ausgerechnet am 11.11. passierte, war besonders lustig – ebenso wie die vielen verwunderten Gesichter der Schüler und Lehrer. Von uns war man ja schon einiges gewohnt, aber das …

Der 10. Dezember kam und mit ihm die Premiere. In diesem Jahr hatten wir weniger Zeit gehabt als sonst, insgesamt vier (!) Inszenierungen hatten auf dem Spielplan gestanden. Würde alles klappen? Die Nervosität war nahezu greifbar. Doch dann öffnete sich der Vorhang und Sankt Nick erschien. Die Geschichte nach einem Kinderbuch von Wolfgang Hohlbein, in der der Weihnachtsmann sein eigentliches Ziel aus den Augen verliert, nur noch ans Geschäft denkt und dafür von den Elfen und Tieren des Nordpols bestraft wird, begeisterte Jung und Alt. Nicht nur die farbenprächtigen Kostüme waren fantastisch anzuschauen, auch die Darsteller begeisterten. Allen voran natürlich Nicolle Vater als Nick, aber auch alle anderen zeigten in fast 30 Rollen, dass Bühnenblut in ihnen floss.

Und der Trabbi? Ja, ein moderner Weihnachtsmann kommt eben nicht mit dem Rentierschlitten, sondern mit einem echten Auto. Und welches Auto ist echter als ein Trabbi? Na also!

Sechs Vorstellungen vor vollem Haus, rund 1500 Zuschauer insgesamt und rundum begeisterte Stimmen von allen. Selbst Schulleiter und Schulamtsleiter ließen es sich nicht nehmen, sich im Trabbi zu platzieren. Wir schrieben damals in der Presse von der bislang erfolgreichsten Theatersaison des Schülertheatervereins, und das war sie ganz sicher. Würde das Jahr 2000 so etwas toppen können? Mal sehen!

Das Jahr 2000

Sollte dieses Jahr vielleicht einmal etwas geruhsamer werden? Mitnichten! Der Tag der offenen Tür im Januar gehörte ja nun schon zur Tradition. Unsere Gäste ließen sich schminken, nahmen im Trabi Platz und informierten sich ausgiebig über unsere Aktionen.

Und die nächste folgte gleich Anfang Februar. Erstmals sahen wir uns gezwungen, ein Casting zu veranstalten, da das Interesse mittlerweile so groß war, dass wir den Ansturm theaterbegeisterter Schüler in geordnete Bahnen lenken mussten. Ich meine, das spricht ja für uns, oder? Siebzehn Jungen und Mädchen stellten sich diesem Auswahlverfahren und vier nahmen wir auf: Alice Hübner, Alice Kun, Lisa Große und Aron Zirnstein.

Und mit diesen ging es gleich klassisch weiter. Wir begannen unmittelbar nach den Winterferien mit den Proben zu „Romeo und Julia“ in der Bearbeitung von Lene Voigt. Im Mai war Premiere. Aufregung vor allem bei Lisa Große. Die durfte gleich in der Titelrolle als Julia ran, neben Melanie als Romeo. Bis in den Herbst hinein spielten wir insgesamt dreizehn Mal, u.a. in Neustadt, Stolpen, Hohnstein und Neukirch.

Diese Sommertouren haben übrigens eine ganz seltsame Eigenart. Egal, wohin wir fahren, der Rückweg führte komischerweise immer durch Polenz. Und gibt es – rein zufällig natürlich – die Mittelmühle, die – wieder rein zufällig – Eis anbietet. Und rein zufällig habe ich auch immer ein bisschen Kleingeld in der Tasche … Ist schon seltsam!

Im Sommer bewarben wir uns als Projekt am Förderpreiswettbewerb „Goldener Floh“ und erhielten eine Urkunde und viel Lob für unsere Arbeit. Noch größer als hier war die Freude über die Resonanz auf eine weitere Bewerbung, nämlich die zur „Schule mit Idee“, einer Auszeichnung des Kultusministers. Und diese erhielten wir - ausgerechnet am 40. Geburtstag des Schulleiters! Die Bronzetafel, die uns (Nicolle Vater und mir)vom Minister persönlich überreicht wurde,  bekam gleich danach für alle sichtbar einen Ehrenplatz an der Schule.

Mit „Romeo und Julia“ startete auch das neue Schuljahr, noch dazu in neuen Kostümen, die allen gefielen – allen bis auf Sarah, die immer wieder vergaß, ihre Haube aufzusetzen.

Im September fuhren wir gemeinsam zur Expo 2000 nach Hannover – eine Riesenausstellung. Wir fanden’s Klasse!

Anfang Oktober präsentierten wir uns auf einer Projektmesse im Dresdner Rathaus – anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Und während wir drinnen präsentierten, bekam unser Transporter draußen von den fleißigen Politessen ein Knöllchen verpasst. Nach intensivem Briefwechsel verzichtete man dann jedoch auf das Eintreiben der  30 DM.

Weitere Highlights im Herbst 2000 waren die Sparkassenschulmesse und das Töpferfest in Neukirch.

Inzwischen bereiteten wir (ganz nebenbei) die nächste Premiere vor: „Fritz und Willi“, einen Kinderkrimi. Im Vorfeld räumte uns die Sächsische Zeitung eine ganze Seite ihrer Beilage ein.

Der 1. Dezember nahte – Premierenzeit! „Fritz und Willi“ und alle anderen natürlich auch waren ziemlich aufgeregt. Ach so … worum geht’s denn überhaupt? Ganz einfach!

Aus Langeweile und weil nie jemand Zeit hat, fallen Melanie und Iris immer nur Bosheiten ein. So was schafft für eine Weile Luft. Aber verändern wird sich natürlich nie was. Höchstens in einem Spiel, das Melanie erfindet. Manchmal ist sie ganz einfach Fritz, und ihre kleine Schwester Iris ist Willi.

Nur so, untereinander Genau da passiert etwas: Ein Katzenhasser geht um und schießt mit Schrotkugeln.

Wer macht denn so was? Und warum? Doch nicht einfach so. Melanie und Iris müssen den Schützen finden. Aber so etwas macht man wohl besser geheim. Wie ein richtiger Detektiv. Als Fritz und Willi. Die Sache wird spannend. Alles scheint plötzlich verändert ...

 

Lisa und Jana sind dann aber unheimlich stark in den Hauptrollen, Miriam und Alice dürfen als Katzen schmusen, Sarah und Nicolle sammeln als Müllmänner den Dreck ein, Monique ist die Oma von nebenan, Robin darf in der Aula Fahrrad fahren und Aron gibt den mürrischen Gartennachbarn. Und alle anderen zogen auch voll mit, selbst Alice (wir haben zwei davon), die mit ihrer Rolle als Wachhund nicht so ganz zufrieden war.

 

Acht Vorstellungen mit rund 1400 Besuchern! Vom Kleinkind bis zum Uropa (Wir haben’s überprüft!) sind alle hin und weg, allen voran die Schulleitung, die uns eine Fahrt in die Warner Brothers Movie World schenkt!

 

Das war ein Jahr, was? Und wir haben schon wieder Ideen für das nächste. Wartet’s nur ab!

 

Das Jahr 2001

Das erste Jahr des neuen Jahrtausends begann recht vielversprechend. Wir schafften es auf Seite 3 des Info-Blattes des Sächsischen Amateurtheaterverbandes, bekamen 600 DM Förderung von der Sparkasse zugesagt und engagierten beim Theatercasting vier junge Talente, an denen wir  in den nächsten Jahren noch viel Freude haben sollten: Nicole Pietsch, Iris Bendull, Josephin Seifert und Stephan Klipphahn.

Dann wurde im Stillen gearbeitet, und zwar am nächsten Klassiker – „Dor zorbrochne Grug“. Dass es Kleists Werk auf unsere Repertoireliste schaffte, hatte einen besonderen Grund: es war sozusagen ein Auftragswerk. Der Chef des Neukircher Töpferfestes, Meister Lehmann, hatte uns im Vorjahr gesehen und gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, eben jenen „Krug“ zu spielen. Und wenn sich so ein Gedanke mal im Kopf festsetzt …

Am 11. Mai jedenfalls war Premiere zum Justival in Pirna. Wir spielten in der Fußgängerzone und ließen uns auch nicht von Betrunkenen, hupenden Autos oder auf die Spielfläche kackenden Hunden stören. Gleichzeitig war das Justival der letzte Auftritt für Monique und Melanie. Schluchz!

Kurz darauf fuhren wir in die Warner Brothers Movie World nach Bottrop. Ein Supererlebnis und jederzeit empfehlenswert.

Insgeheim hatten wir noch ein zweites Projekt in Vorbereitung. Für den Projekttag Fremdsprachen studierten wir einige Auszüge aus William Shakespeares „Romeo and Juliet“ auf Englisch ein. Die Zehner Madlen, Kristin, Melanie, Franziska, Nicolle und Monique sowie Sarah aus der Achten glänzten mit perfekter Aussprache und fantastischem Spiel.

Weil es gerade ums Spiel geht … drei von uns Theaterleuten, nämlich Monique, Robin und ich fuhren mit zum Lehrer-Schüler-Duell nach Köln, einer Spielshow nach Art des „Familienduells“ (die Älteren werden sich erinnern). Es gewannen (natürlich) die Schüler.

Monique bekam dann auch noch einen großen Artikel in der SZ. Verdient – nur wenige haben den Theaterverein so geprägt wie sie!

Auf der Suche nach neuen Auftrittsmöglichkeiten fanden wir eine Ausschreibung des Brandenburger Theaterverbandes und fuhren im September nach Potsdam. Die Preußen hatten echt Probleme, unser Mundarttheater „Dor zorbrochne Grug“ zu verstehen. Das Wochenende war jedenfalls prima. Am Samstagabend ging‘s dann noch in die Spätvorstellung ins Kino zu Harry Potter.

Den „Grug“ spielten wir gut ein Dutzend Mal, natürlich in Neustadt, aber auch in Stolpen und zum Abschluss wie versprochen in Neukirch zum Töpferfest.

Mit vier Schülern fuhren wir im Oktober noch einmal nach Potsdam, diesmal zu einem reinen Workshopwochenende, unter anderem mit Lernmöglichkeiten in den Bereichen Gesang und Bühnenkampf.

Tja, und die nächste Premiere stand auch schon wieder ins Haus, schließlich ging es doch auf das Jahresende zu. Dieses Mal hatten wir uns etwas ganz Besonderes überlegt. Gemeinsam mit der Tanzgruppe der Schule, den „Crazy 16s“ spielten wir „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende.

Die Zusammenarbeit mit den Tänzern war eine interessante neue Herausforderung, die beiden Seiten großen Spaß machte. Ich denke, das spürten auch die Zuschauer .

Diesmal hatten wir einen enormen Verbrauch an Abschminktüchern – insgesamt 24 Gesichter mussten mit Farbe versehen und wieder gereinigt werden. Den Maskenbildnern verlangte das echt einiges ab.

Robin in der Rolle des Bastian Baltasar Bux spielte die 90 Minuten der Inszenierung komplett durch. Den Schulboden, auf dem Bastian das Buch liest, hatten wir durch ein Podest im Zuschauerraum dargestellt, auf das sich Robin ab und zu zurückziehen konnte. Weitere Herausforderungen waren das Kostüm des Felsenbeißers, dessen Masse wir durch eine Füllung mit Verpackungsflocken lösten, und die uralte Morla, eine weise Schildkröte, die von Karo bäuchlings auf dem Piano liegend interpretiert wurde. Für die leuchtenden Augen der Sphinxe zeichnete Steve verantwortlich, der inzwischen gemeinsam mit Willy die Technik übernommen hatte. Und Jana durfte die Kindliche Kaiserin im Hochzeitskleid ihrer Mutter spielen.

Etwa 1300 Zuschauer sahen die „Unendliche Geschichte“ in insgesamt acht Vorstellungen.

Das Jahr 2002

Erstes Highlight des Jahres 2002 war die Jahreshauptversammlung. Interessant im Rückblick sind vor allem die Kritikpunkte. So wurde angemahnt, das Speisenverbot in der Aula weiterhin einzuhalten und die Texte fristgemäß zu lernen. Inzwischen hatten wir außer dem Probenraum auf dem Schulboden auch den Raum daneben verkleidet und als Technikdepot sowie als Sitzungsraum für den Vorstand eingerichtet. Neue Vorstandsvorsitzende wurde mit großer Stimmenmehrheit Lisa Große aus der Klassenstufe 7, die diesen Posten bis in die Klasse 10 innehaben sollte. Ebenfalls neu und bis heute gültig sind die regelmäßigen Aushänge, denen jeder die Probenzeiten und Themen entnehmen kann.

Anfang Februar fand wieder das Theatercasting statt. Drei Mädchen schafften die hohen Hürden und würden ab sofort die Truppe der Schauspieler verstärken. Michelle, Anne und Maria zeigten schon bald, was in ihnen steckte.

Am 1. März gingen wir erstmals mit dem Winterstück auf „Tournee“, denn das Nationalparkhaus in Bad Schandau hatte uns eingeladen, „Die unendliche Geschichte“ aufzuführen. Vor allem für die Techniker war das eine enorme Herausforderung, die jedoch mit Bravour bewältigt wurde.

Im April fuhren alle gemeinsam nach Berlin zum Musicalbesuch von „Der Glöckner von Notre Dame“. Einschließlich der Lehrer zählten wir damals übrigens 51 am Theater beteiligte. Eine stolze Zahl, nicht wahr?

Nur wenige Tage später wartete eine neue Prüfung auf uns. Wir waren eingeladen worden zum 1. Sächsischen Schülerfirmenmeeting nach Chemnitz und Lisa und Alice sowie Erik und Juri präsentierten dort gemeinsam mit mir unser Schülertheater, nahmen an Workshops und Diskussionsforen teil. Dass das Ganze erfolgreich lief, zeigte nicht nur ein großer Artikel in der „Chemnitzer Morgenpost“, sondern auch das Feedback anderer Schülerfirmen.

Am 12. Mai hatte in Langenwolmsdorf unser neues Sommerstück Premiere, der „Straßenzirkus Pssst!“, eine überwiegend pantomimische Zirkusshow, mit der wir gleich darauf noch anlässlich des 10-jährigen Bestehens unserer Freunde vom „Theatre Libre“ auf dem Sebnitzer Marktplatz brillierten. Höhepunkt der Show war jedes Mal der Auftritt der dressierten Kuh Margarete (gespielt von Karo). Natürlich gab es „Pssst!“ auch in Neustadt zu sehen, außerdem in Stolpen und Neukirch sowie bei den Jugendkulturtagen in Kamenz. Insgesamt 14 Nummern bot das Programm, das einmal mehr spüren ließ, wie schwierig und erfrischend zugleich Straßentheater ist.

Parallel liefen natürlich schon die Proben für das Weihnachtsstück „Saaski aus dem Moor“, einer Verwebung von Fantasie und Wirklichkeit, gleichzeitig auch die zweite Zusammenarbeit mit den „Crazy 16s“. In der Titelrolle sollte Michelle begeistern, die (s.o.) erst im Februar zu uns gestoßen war. Michelle sollte diese Rolle nicht nur spielen, nein, sie war Saaski.

Saaski lebt zwischen den Welten. Das Moorvolk hat sie verstoßen und auch bei den Menschen wird sie nicht wirklich akzeptiert. Immer wieder zieht sie sich ins Moor zurück und spielt dort auf ihrem Lieblingsinstrument, dem Dudelsack“. Dann lernt sie Tam kennen, den Jungen, der zu ihr steht, als die Dorfbewohner immer feindseliger werden.

„Saaski aus dem Moor“ hatte am 6. Dezember Premiere und war mit rund 120 Minuten Spielzeit die bis dato längste Inszenierung von „Schillers Schülern“. Eine Schrecksekunde gab es noch wenige Tage vor der Premiere – David hatte sich das Bein gebrochen, spielte dann aber tapfer alle Vorstellungen durch. Dieses Verhalten, trotz Krankheit dabei zu sein, mitzuspielen, die Aufführung nicht in Frage zu stellen, hat sich bei allen Mitgliedern des Theatervereins verinnerlicht. Der irgendwann einmal von mir eingeworfene Spruch „Gestorben wird auf der Bühne!“ war zum geflügelten Wort geworden und gilt bis heute. Das Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, gemeinsam den Applaus zu genießen, war und ist bis heute viel, viel stärker als ein persönliches Wehwehchen. Das mag manchem hart erscheinen, ist aber das beherrschende Prinzip eines florierenden Vereins. So ist auch allen klar, dass nicht jeder eine Hauptrolle spielen kann, dass aber die Umsetzung jeder auch noch so kleinen Rolle wichtig ist für das Gesamtbild, dass eine Aufführung nur dann ein Erfolg ist, wenn jeder einzelne auf, vor und hinter der Bühne seinen Beitrag in sehr guter Qualität leistet.

„Saaski aus dem Moor“ hat das eindrucksvoll wiedergespiegelt, nicht nur wegen Michelle, sondern weil alle mitgezogen haben bis zum Schlussapplaus. „Saaski“ zählt bis heute zu meinen Lieblingsstücken.

Das Jahr 2003

Auch 2003 begann mit der Jahreshauptversammlung. Solch ein Treffen, gerade zum Jahresbeginn, hatte sich bewährt, nicht nur, um einen neuen, aktiven Vorstand zu wählen, sondern auch, um konkrete Planungen vorzunehmen. So sprachen wir über weitere Vorstellungen von „Saaski aus dem Moor“, grübelten über eine Festveranstaltung anlässlich unseres 10-jährigen Bestehens nach und gingen das Thema Straßentheater wieder an. Selbst über das Winterstück wurde bereits diskutiert. Lisa wurde wieder zur Vorsitzenden gewählt, Alice und Robin als ihre Stellvertreter bestätigt.

Im Februar wurde wieder gecastet. Fünf Neulinge schafften es in den Kreis der Auserwählten, um die Lücken zu schließen, die die Zehnklässler hinterlassen. Anne, Julia, Alina, Reni und Florian hießen sie, und vier von ihnen blieben bis zum Ende ihrerr Schulzeit dabei. Nur Alina verließ uns nach relativ kurzer Zeit wieder auf Grund ihres Umzugs in eine andere Stadt.

Im März folgte eine weitere Aufführung von „Saaski“ anlässlich des vom Bautzener Theater ausgerichteten Welttheatertages und noch eine im April im Nationalparkhaus Bad Schandau.

Der April folgte und mit ihm die große Geburtstagsfeier. Für das Programm hatten wir uns etwas ganz Besonderes überlegt: einen Zusammenschnitt von Szenen aus den Theaterstücken der vergangenen zehn Jahre. Die vielen Ehemaligen im Publikum hatten wenig Mühe, sich wiederzuerkennen und geizten nicht mit Beifall, ebenso wie alle anderen Gäste, unter ihnen natürlich der Bürgermeister Herr Grützner, der bis heute ein begeisterter Fan unseres Schülertheaters ist, und viele Freunde und Weggefährten aus diesen zehn Jahren Amateurtheater. Die Aula war mit 220 Gästen brechend voll, es gab viele Reden und Grußworte, die „Crazy 16s“ tanzten, und am Ende versammelten sich alle früheren und aktuellen Mitglieder des Theatervereins zu einem großen und großartigen Abschlussbild.

Für die Öffentlichkeit wollten wir „Saaski“ am folgenden Samstag noch einmal aufführen. Leider - und auch so etwas passiert – saßen nur ganze 10 Zuschauer im Saal. Doch auch diese bekamen eine gute Aufführung zu sehen. Ja, und wir wussten, dass wir mehr an unseren Werbestrategien arbeiten mussten, um die Neustädter zu uns zu locken.

Einen Motivationsschub dafür erhielten wir durch die gemeinsame Auszeichnungsfahrt nach Berlin, wo wir das Musical „Cats“ verfolgen durften. So langsam wurden wir zu echten Musical-Fans.

Im Juni hatte „Macbeth“ Premiere. Shakespeares blutiges Drama transformierten wir jedoch in eine straßentheatertaugliche Komödie in sächsischer Mundart und hatten so die Lacher des Publikums gewiss, egal ob zur Premiere an den Landesbühnen in Radebeul, in Bad Schandau, Neukirch, Hohnstein oder Neustadt. Mit den Landesbühnen haben wir inzwischen eine wirklich enge Beziehung – und sind seitdem auch jedes Jahr dort.

Auch unsere Schuljahresabschlussfete war etwas echt Spektakuläres. Wir eiferten Neil, dem großen Künstler aus „Art Attack“ nach und bauten riesige Bilder aus Stoff und anderen Materialien auf dem Schulhof. Dazu kamen natürlich diverse Theaterspiele und frisch Gegrilltes direkt vom Rost.

Auch beim Tag der Sachsen in Sebnitz waren wir dabei und unterstützten den Festwagen des Monte Mare während des zweistündigen Umzugs durch die Stadt.

Eine weitere Neuerung, die mittlerweile Tradition ist, folgte im November. Erstmals fuhren wir zum Workshopwochenende nach Bautzen und arbeiteten dort drei Tage konzentriert am Weihnachtsstück. Diese Erfahrung möchte keiner der Teilnehmer missen, und wer dabei war, kann bestätigen, dass diese Tage bis an den Rand gefüllt sind mit harter Arbeit, Schweiß, Muskelkater … und viel, viel Spaß!

Und weil wir damit auch noch nicht ausgelastet waren, ließen wir uns auf ein weiteres Experiment ein – in der Neustadthalle übernahmen wir mit einer Adaption der „Weihnachtsgans Auguste“ die kulturelle Umrahmung der dortigen Firmen- und Familienweihnachtsfeiern.

Zum Jahresende dann die ersehnte Premiere von „Urfin!“, unserer Bearbeitung von Wolkows Kinderbuch, gleichzeitig die dritte Kooperation mit den „Crazy 16s“, und die Fortsetzung unserer „Abenteuer im Zauberland“ von 1995. Ramona, die damals schon dabei war, erklärte sich bereit, auch in der Fortsetzung mitzuspielen. Stephan zeigte den Urfin als sturen Eigenbrötler, Anne und Michi waren Eule und Krähe, und zwei unserer Neuen konnten sich ebenfalls in großen Rollen beweisen: Julia als Elli und Flo als ihr getreuer Hund Toto. Die Crazys wirbelten als Holzsoldaten und Mäuse über die Bühne, Josi gab den feigen Löwen, Iris den Holzfäller und Nicole den Scheuch. Und die Maskenbildner wie Susi, Sarah und Meli leisteten Spitzenarbeit.

Es war ein Wahnsinnsjahr, dieses 2003, und Schillers Schüler hatten sich einmal mehr als fantastisch funktionierendes Team bewiesen.

Das Jahr 2004

Im Januar warteten wir mit einer weiteren Neuerung auf – wir veranstalteten zwei Castings. Der Grund dafür war eigentlich recht einfach: erstens gab es so viele Bewerber, dass das Ganze zu einer abendfüllenden Veranstaltung geworden wäre, und zweitens konnten einige Interessenten nicht beim ersten Termin. Also zwei Castings – und zwei Sieger: Rebecca Rennau und Lydia Lehmann.

Die Jahreshauptversammlung folgte. Lisa wurde in ihrer Funktion als Chefin bestätigt. Erste Planungen für das Frühjahr folgten. „Urfin!“ sollte noch zweimal aufgeführt werden: zunächst im Nationalparkhaus in Bad Schandau und alsdann zum Welttheatertag in Bautzen. Beide Auftritte hatten enormen Erfolg.

  • Im April folgte unsere alljährliche Auszeichnungsfahrt. Einmal mehr ging es nach Berlin, diesmal
  • jedoch nicht zum Musicalbesuch, sondern zu einer ganz anderen Art von Inszenierung, der
  • Bühnenfassung von Morton Rhues „Ich knall euch ab“ unter der Regie von Sewan Latchinian. Ein

brisantes Thema und eine geniale Umsetzung. Wir waren Feuer und Flamme.

Dafür gab es auch einen weiteren, persönlichen Grund. Inzwischen arbeiteten wir nämlich wieder im „stillen Kämmerlein“ – wobei „still“ ein Attribut ist, das nur ganz selten unsere Arbeitsweise korrekt bezeichnete.

Beim Kinder- und Familienfest sowie dem Straßenfest auf der Böhmischen Straße zeigten wir erneut den Zirkus „PSSST!“, beide Male unter erschwerten Bedingungen. Konnten wir beim Kinderfest noch vor dem schlechten Wetter in die Neustadthalle flüchten, so wurden wir beim Straßenfest kräftig eingeweicht. Doch echte Profis können das ab, und so spielten wir klatschnass zu Ende.

Der Juni brachte uns ein absolutes Highlight: zum ersten Mal fuhren Schillers Schüler zum Theatercamping. Drei Tage lang waren wir im Harz, in Alterode, zelteten, badeten und spielten Theater, z. B. auf Burg Falkenstein. Und am zweiten Abend gab es ein besonderes Schmeckerchen – die Premiere unseres neues Stückes „Die ohne Segen sind“, unserer Bearbeitung des preisgekrönten Jugendbuches von Richard Van Camp. Die Hauptfigur ist Larry, ein Underdog, den jeder treten kann, gebrandmarkt von einer Vergangenheit voller Gewalt, der sich leidenschaftlich nach Erlösung sehnt.

Mit dieser Inszenierung erfüllen wir uns unseren Wunsch, aktuelle Jugendthemen auf die Bühne zu bringen. Gleichzeitig beginnen wir damit wieder ein neues Kapitel in unserer Theatergeschichte. Alice jedenfalls spielt den Larry schon fast beängstigend glaubhaft. Sie lässt sich zusammenschlagen, weint, spuckt (Kunst-)Blut … Da sei es nur am Rande erwähnt, dass „Die ohne Segen sind“ eines der wenigen Stücke ist, in denen ich nicht nur Regie führe, sondern auch mitspiele.

Beim Theatertreffen in Radebeul herrscht am Ende der Aufführung völlige Stille – erst nach einigen Augenblicken brandet der Beifall auf. Das anschließende Gespräch mit dem Publikum zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Eine weitere Aufführung folgte in Tharandt auf der Freilichtbühne.

Ansonsten sind wir - wie immer – viel unterwegs. Ob Museumsfest in Neustadt, Töpferfest in Neukirch oder die Aula unserer Schule , überall findet sich ein Platz zum Spielen.

Der Herbst kam, mit ihm die Vorbereitung des nächsten Weihnachtsstückes und zuvor natürlich die obligatorische Fahrt zum Workshopwochenende nach Bautzen. Über das „Best Of“ von Bautzen müsste ich eigentlich mal eine Extra-Folge schreiben … oder doch lieber schweigen?

Am 2. Dezember lüften wir dann „Das Geheimnis der 7. Hexe“. Ja, wenn sich eine gute Hexe in einen bösen Zauberer verliebt, dann kann das schon weitreichende Folgen haben, noch dazu, wenn sie die Konkurrenz von sechs weiteren Hexen aus dem Feld schlagen muss. Nicole Pietsch begeistert in der Hauptrolle, Stephan ist der bösen Zauberer mit dem kleinen Problem, und Lydia wird die Rolle des Schlossgespenstes wohl ihr Leben lang verfolgen. Aber ehrlich, Lydi, niemand heult so schön wie du!

Und weil wir mit sieben Vorstellungen noch nicht ausgelastet waren, spielen Nicole, Iris, Stephan und ich weitere acht Vorstellungen unserer freien Interpretation der „Feuerzangenbowle“ beim Wintergrillen der Neustadthalle. Puuh, war das wieder ein Jahr!

Das Jahr 2005

Wieder begann das Jahr mit wichtigen Veränderungen. Vier Neulinge schaffen die Hürde des Castings, das „Geheimnis der 7. Hexe“ eröffnete das Nationalparkhaus in Bad Schandau nach der Renovierung und bei der Jahreshauptversammlung verabschiedeten wir Lisa und Alice. Neue Chefin wurde die 7. Hexe Nicole, dazu kommen Anne und Julia neu in den Vorstand.

Da im Sommer das europaweite Neustadttreffen in unserem Heimatort stattfinden sollte, bereiten wir an der Schule so einiges an einem Projekttag vor. Schillers Schüler planten den Shakespeare’schen Sommernachtstraum „uff Säggs’sch“ aufzuführen. Die Zungenknoten der ersten Proben konnten später gottseidank entwirrt werden.

„Die ohne Segen sind“ zeigten wir ebenfalls noch einmal. Zu sehr lagen uns Stoff und Stück am Herzen. Und außer Bad Schandau wurde erneut Bautzen zur Bühne für uns. Die allerletzte Aufführung gab es dann noch einmal im April – kurz vor unserer diesjährigen Ausflugsfahrt ins „Tropical Islands“.

Der „Sommernachtstraum“ hatte dann wiede3rum in Bad Schandau Premiere – diesmal jedoch im Botanischen Garten. Und weil’s so schön war, spielten wir ihn gleich zweimal. Zum großen Festwochenende anlässlich des Neustadttreffens gab es die amüsante Geschichte auch mehrere Male zu sehen – direkt auf dem Neustädter Markt gegenüber dem Rathaus – und jedesmal, wenn auf der großen Bühne nicht zu viel Radau war.

Tja, und dann gab’s „Harz Zwo“. So nannten wir die Wiederholung unserer Harzreise vom Vorjahr. Erneut spielten wir in Alterode und auf Burg Falkenstein.

Parallel liefen schon wieder die Planungen für den Winter – „Der König der Löwen“ sollte auf unserer Bühne brillieren. Zuvor brillierte einer aber deutlich weniger. Wir fuhren zum Theaterfestival nach Radebeul und wunderten uns, dass außer uns keiner da war … da hatte sich wohl einer im Termin vertan? Wer managt denn diesen Laden eigentlich???

Kommen wir ganz schnell zu etwas Besserem. Bei der Schillerfeier 2005 erhielten gleich zwei unserer Mitglieder die Schiller-Urkunde. Lisa und Willy hatten nicht nur einen Spitzenabschluss hingelegt (1,1 und 1,0!), sondern über Jahre hinweg engagiert für und mit uns gearbeitet. Danke, ihr beiden!

Wir waren „nebenbei“ auch weiter unterwegs, animierten beim Stehempfang der Neustadthalle, improvisierten beim Töpferfest und schufteten beim Workshopwochenende in Bautzen. Unter der Leitung von Frau Barth vom Theater Bautzen spielten wir sogar Oper: die berühmte Wolfsschluchtszene nämlich (die Musik kam allerdings vom Band).

Ja, und weil ein Theaterstück zur Vorweihnachtszeit nicht ausreichte, gab es auch noch „Rotkäppchen“ in der Neustadthalle. Beim Wintergrillen erklärten wir dem Publikum alle noch offenen Probleme – mit einem Augenzwinkern.

Und am 2. Dezember öffnete sich endlich der Vorhang für den „König der Löwen“. Dieser ist bei uns ein Baulöwe und steht an der Spitze der florierenden Baugesellschaft „LionKing AG“. Die rund 100 Minuten voller Spiel, Spaß und Spannung vergingen wie im Fluge, auch dank der fantastischen Musikeinlagen. Dazu kamen die herrlichen Kostüme und kreativ gestalteten Masken der Darsteller.

Und alle, wirklich alle waren super vorbereitet, hoch konzentriert und voller Spielfreude. Der „König der Löwen“ wurde zu einem der großartigsten Stücke unserer Vereinsgeschichte. Das lag sicherlich an Flo und Jule, die als Simba und Nala irre präsent waren, aber auch an allen anderen, wie Anne und Nicole als Timon und Pumba oder den bekloppten Hyänen Anne Lydi,. Michi Reni und Bilge … nochmals ein Riesendankeschön an euch alle!

Übrigens hatten wir zu Jahresbeginn die „Feuerzangenbowle“ auch noich im Gepäck – das macht dann summa summarum fünf Inszenierungen auf dem Spielplan von 2005. Ist schon ein bissel irre, was?

Das Jahr 2006

Die volle Hand zum Jahresbeginn: gleich fünf Neulinge konnten wir in den Reihen unserer Schauspieler begrüßen. An Lisa, Laura, Adrian, Sophie und Toni sollten wir noch viel Freude haben.

Bei der Jahreshauptversammlung schauten wir nicht nur auf fünf Inszenierungen mit über 20 Aufführungen zurück, sondern planten auch das bevorstehende Jahr und wählten natürlich auch einen neuen Vorstand. Anne übernahm den Staffelstab von Nicole und Julia und Pascal standen ihr ab sofort zur Seite.

Den „König der Löwen“ hatten wir im Frühjahr weitere drei Mal im Programm, in Neustadt, Bautzen und Sebnitz. Parallel dazu spielten wir Straßentheater als Pantomime beim Kinder- und Familienfest des BBB, bei „Neustadt blüht auf“ und der Eröffnung der Götzinger Höhe.

Mittlerweile gab es schon etliche Fixpunkte in der alljährlichen Planung. Die Neustädter Ortsfeste waren und sind bis heute fester Bestandteil unserer Auftritte, und Sebnitz tauchte inzwischen auch immer wieder in unserer Spielplanung auf. Mit dem dort ansässigen „Theatre Libre“ verbindet uns inzwischen schon eine Freundschaft, die sich in den kommenden Jahren weiter vertiefen sollte. Neukirch dagegen gaben wir auf, zu kompliziert waren die Verhandlungen mit den Organisatoren inzwischen geworden.

Nach dem großen Erfolg von „Die ohne Segen sind“ wollten wir in diesem Jahr einen ähnlichen Stoff auf die Bühne bringen. Nach einiger Suche war ich fündig geworden und stellte der Truppe MIrijam Günters Buch „Heim“ vor, die Geschichte eines Heimkindes, das auf der Suche nach Geborgenheit und Familie war. Begeistert stimmten alle zu und wir machen uns an die Proben.

Vor der Premiere allerdings fuhren wir wieder einmal nach Berlin – natürlich zum Musicalbesuch. Diesmal sahen wir „Die drei Musketiere“. Einfach hinreißend!

Die Premiere von „Heim“ fand dann am 20 Mai in Pirna statt – zum Tag der Kulturen. Natürlich gab es die Inszenierung auch auf der heimischen Bühne in Neustadt zu sehen, ebenso wie beim Theatertreffen in Radebeul (diesmal zum richtigen Termin!) und beim Theatercamping. Unser Ausflug führte uns allerdings nicht erneut in den Harz, sondern diesmal nach Nünchritz bei Riesa. Jules Eltern hatten uns dort das Gelände des Kanuclubs organisiert. Auftritte gab es dann in einer Großenhainer Schule und dem Riesaer Jugendclub. Letzterer wird allen Beteiligten sicherlich in Erinnerung bleiben, und das nicht nur, weil Lydi hinter der Bühne zusammenklappte – nach dem Auftritt natürlich. Die Hitze hatte ihr ziemlich zugesetzt.

Während wir dann zum Schuljahresbeginn schon an „Perry Panther“, dem Weihnachtsstück, arbeiteten, bekam ich einen Anruf in der Schule. Mirijam Günther, die Autorin von „Heim“ hatte im Internet von unserem Auftritt in Riesa gelesen, war neugierig geworden und wollte die Bühnenfassung ihres Buches unbedingt sehen. Also luden wir sie kurzerhand im September nach Neustadt ein. Sie war so begeistert von der Aufführung, dass sie uns spontan zum Gegenbesuch nach Köln einlud. Wie das Ganze ablaufen sollte und welche Schwierigkeiten wir dabei noch aus dem Weg räumen mussten, davon mehr in der nächsten Folge.

Es folgten die Einkaufsnacht in Neustadt und das Workshopwochenende in Bautzen, bevor sich dann am 8. Dezember der Vorhang für „Perry Panther“ öffnete. Die Geschichte um den Katzendetektiv, der auf Sherlock Holmes‘ Spuren wandelt, basierte auf mehreren Kinderbüchern von Markus Grolik. Anne spielte die Titelrolle. Ihr zur Seite standen Flo als Pizzabäcker, die zweite Anne als französischer Schwergewichtskater Rousseau, sowie Michi und Sophie als minderbemittelte Wachhunde Schrumpfbohne und Everest. Und dann gab es ja noch Kanal-Elly, die schönste Miez des Abwasseramtes, katzoid-aufreizend gespielt von Jule. Alle anderen waren genauso fantastisch und zeigten im Verband in wieder einmal sieben Aufführungen, dass Theater nur gut klappen kann, wenn ein jeder sein Bestes gibt.

Dann war schon wieder ein Jahr vorbei, das sich sehen lassen konnte. Was würde 2007 bringen? Da war ja schließlich noch die Einladung nach Köln …

 

Das Jahr 2007

Das neue Jahr kam und mit ihm die Nachricht, dass es Mirijam Günter nicht gelungen war, uns eine Reise nach Köln zu organisieren. Das konnte so nicht bleiben. Zu sehr hatten sich alle schon darauf gefreut. Was also tun? Wer könnte uns helfen? Allein könnten wir solch eine Aktion niemals stemmen. Ich nahm mir die Gelben Seiten von Köln vor, suchte ein Dutzend Großbetriebe heraus und schrieb denen unser Problem. Kurz darauf meldete sich eine Redakteurin des WDR, die zwar auch kein Geld hatte, aber einen Bericht über uns drehen wollte. Gesagt, getan und eine Woche später wurde gefilmt. Der Beitrag lief in der Kölner Lokalzeit und brachte das erhoffte Echo. Einige Privatpersonen spendeten Geld, ein Hotelier versprach uns kostenfreie Unterkunft und Verpflegung, zwei Auftritte in Köln und Hürth wurden organisiert, dazu eine Stadtrundfahrt … kurz, das Ding kam ins Laufen. Das Neustädter Rathaus spendierte uns die Fahrtkosten und im März fuhren wir somit für drei tolle Tage nach Köln. Die zwei Vorstellungen von „Heim“ liefen super – einmal abgesehen davon, dass bei der ersten die Kulisse umfiel. Die Schauspieler reagierten absolut professionell: „Freeze – Wiederaufstellen – Go!“ Ich glaube, so etwas wie diese Köln-Tournee erlebt man wohl nur einmal. Es war rundum genial, selbst die Modenschau auf dem Hotelflur – aber das verstehen jetzt nur die Insider!

Nebenher lief natürlich auch noch der ganz normale Theaterwahnsinn, also Casting (wieder vier Neue, nämlich Michele, Lisa Marie, Sebastian und Marcel), noch zwei Auftritte mit „Perry Panther“ in Sebnitz und zum Welttheatertag in Bautzen, eine letzte Vorstellung von „Heim“ in Sebnitz, Animation und Pantomime zu „Neustadt blüht auf“ und beim Kinderfest, zwischendurch Boden auf- und ausräumen …

Kurz zur Erklärung: auf dem Schulboden hatten wir seit Beginn unseres Vereinslebens Platz für uns und unsere Utensilien gefunden. Wir hatten einen Raum zum Probenraum hergerichtet, einen zweiten zum Versammlungs- und Lagerraum, unsere Schränke und Kulissen hochgeschafft … und dann stellte man (wer auch immer) fest, dass Schüler da nicht mehr hoch dürfen, weil es keinen zweiten Fluchtweg gibt. Willkommen in Absurdistan! Über 125 Jahre lang keine Probleme und auf einmal bestand die Gefahr, dass die Granitstufen der Treppe sich selbst entzünden! Aber egal, inzwischen wussten wir ja, dass wir sowieso umziehen … ins ehemalige Gymnasium.

Die Proben fürs neue Sommerstück liefen an. „Hamledd“ in säggs’schor Mundart, gekürzt auf rund dreißig Minuten und bereit für die Straße. Flo spielte die Hauptrolle und Jule durfte als Ophelia wahnsinnig werden, also „bleede im Nischel“. Premiere war zum Straßenfest im Juni, weitere Auftritte folgten unter anderem in Radebeul, Stolpen und Sebnitz.

Eigentlich wollten wir auch wieder zelten fahren, mussten jedoch zunächst den Termin auf den Herbst verschieben (Grund war der Schulumzug) und bekamen dann keine Auftrittsmöglichkeiten eingeräumt. Also gestrichen.

Der Umzug in die neue Schule hatte viel Gutes. Wir besaßen jetzt einen eigenen Probenraum (mit zweitem Fluchtweg!), einen weiteren Raum im Keller für unseren Fundus, der inzwischen schon über zwanzig Schränke füllte, und eine Aula, die notfalls auch 300 Zuschauer fassen konnte. Allerdings hatte die Bühne keinen Bühnenboden für Kulissen und die Akustik war der einer Bahnhofshalle vergleichbar. Egal, wir machen schon was draus!

Wir machten uns zum Beispiel ans nächste Stück: „Pantoffelpiraten“ hieß es und erzählte die Geschichte von Käpt’n Augenklappe und seiner Crew, die, weil wasserscheu, ihre Abenteuer in der Stadt suchen.

Wir überspitzen die Zeichnung der Charaktere total, füllten die Story mit vielen skurrilen Ideen und würzten kräftig mit Musik.

Lydia spielte den Käpt’n mit so viel Schwung, dass es jeden mitriss, der zuschaute, und die anderen standen ihr in nichts nach. Jule durfte die ganze Zeit mit tätowierter Glatze herumlaufen, Sophie wurde im Einkaufswagen herumgefahren („Im Wagen vor mir…“), Laura gab den Kakadu, Michele machte sich zum Affen, und Pascal und Flo rockten das Haus mit „Alle meine Entchen“. Der Premiere folgten noch sechs weitere Vorstellungen und zum Dank für unsere Leistung sollten wir im kommenden Frühjahr Michael Mittermeyer live erleben dürfen.

 

Das Jahr 2008

Wer gut mitgerechnet hat, weiß, dass in diesem Jahr wieder ein Jubiläum ins Haus stand: fünfzehn Jahre gab es nun schon Schillers Schüler. Seit Schuljahresbeginn bereits trugen wir Ideen zusammen und überlegten, wie das Ganze zünftig zu feiern wäre.

Nun, im kalten Januar, galt es jedoch wieder die Probleme der Ebene zu meistern. Wir arbeiteten mit an der Gestaltung der Talentebühne, präparierten unsren Probenraum für den Tag der offenen Tür, spielten zu eben diesem Anlass noch einmal die „Pantoffelpiraten“, casteten neuen Nachwuchs … ihr seht, die ‚Terminpläne waren stets gefüllt.

Beim Casting schafften fünf Nachwuchsschauspieler die Hürden: Jakob, Alexandra, Nadine, Lisa-Marie und Josie. Vor allem Josie war stolz – sie hatte es im dritten (!) Anlauf endlich geschafft! Das nenne ich mal Zielstrebigkeit!

Wir probten also „Oarnee!“, eine Sketchparade, die zur Jubelfeier am 11. April Premiere haben sollte. „Oarnee!“ vereinte Texte von vielen bekannten und unbekannten Autoren. Die Namen Loriot, Heinz Erhardt, Herricht & Preil oder auch Monty Python sprechen ja schon für sich selbst.

In Vorbereitung des Jubiläums half uns einmal mehr Kollege Zufall. Im Herbst kam eiine ehemalige Schülerin und Mitarbeiterin der Künstlerischen Gestaltung zu mir und sagte, dass sie im Rahmen ihrer Lehre eine Broschüre gestalten müsse, und dabei hätte sie an uns gedacht. Und das zum Jubiläum! Nun wurden Texte geschrieben, verworfen, redigiert, Fotos herausgesucht und bearbeitet. Am Ende erhielten wir ca. 500 Farbbroschüren für unseren Theaterverein. Kostenlos. Nachahmer sind übrigens jederzeit willkommen.

Am 11. April gab es jedenfalls eine große Festveranstaltung – mit den üblichen Reden, vielen Sketchen, viel Spaß und Applaus, einem Wiedersehen mit etlichen „Ehemaligen“ und viel Musik.

Einen Tag später führten wir einen „Tag der offenen Bühne“ durch, mit Kaffee und Kuchen, unserer Sketchparade, einer Theaterausstellung und einer großen Tombola. Das Wochenende war ziemlich anstrengend, hat aber auch jede Menge Spaß gemacht. Und wir hatten bewiesen, dass wir Organisation und Durchführung einer solchen Großveranstaltung ganz alleine und ohne fremde Hilfe stemmen können! Das lässt hoffen für das Zwanzigjährige!

Mit „Oarnee!“ tourten wir natürlich auch wieder durch die Gegend. Wir spielten zum Kinderfest, zur 675-Jahr-Feier von Neustadt, beim Theatertreffen in Radebeul und beim Wollfest in Bad Schandau.

Tja, dann waren auch die Sommerferien schon wieder ran. Diese nutzten wir – also nicht komplett – um unseren Probenraum zu renovieren. Er erstrahlte danach in fantastischem Schwarz. Mancher wundert sich vielleicht darüber, aber das hilft echt bei der Konzentration auf das Wesentliche – das Spiel an sich.

Nach den Ferien gab es nochmals „Oarnee!“ bei den Götzinger-Tagen und der Italienischen Nacht des Theatre Libre. Dann hieß es schon wieder Proben fürs Weihnachtsstück. In diesem Jahr gab es „Schöne Bescherung“, frei nach dem Kinderbuch „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ von Cornelia Funke. Niklas Julebukk, gespielt von Lisa, ist der letzte echte Weihnachtsmann. Gemeinsam mit den Engeln Matilda und Emanuel (Laura und Basti) sowie den vorlauten Kobolden (Cello und Josie) versucht er Weihnachten zu retten. Dann geht auch noch sein unsichtbares Rentier Schneeflocke verloren … versucht das mal zu finden! Zu den irrwitzigen Ideen, kongenial umgesetzt von Lisa & Co., kam eine ganze Menge Musik wie z.B. Queens Klassiker als Lied der bösen Nussknacker „We will knack you“. Das Stück begeisterte Jung und Alt und war genau das richtige für die Vorweihnachtszeit.

Und weil die nun mal so schön war, spielten Lisa Marie, Laura und ich nebenbei noch Die Feuerzangenbowle – Reloaded“ in einem halben Dutzend Vorstellungen auf der Götzinger Höhe.

Fünfzehn Jahre waren nun also angefüllt mit Theateraktionen aller Coleur … und Ideen gab es fast schon genug für den nächsten Fünfjahrplan.

 

Das Jahr 2009

Für unsere Verhältnisse begann das Jahr 2009 relativ ruhig. Wir casteten erneut traditionell im Januar. Diesmal schafften es drei Mädchen, in unsre Reihen aufgenommen zu werden. Johanna, Pauline und Irene hießen die Glücklichen. Der Vorstand gab bei der Talentebühne gleich noch einmal die Jury. Tja, wenn man einmal dabei ist …

Nach den Winterferien begannen die Proben für unser neues Sommerstück. „Augenblicke“ sollte es heißen. Es zeigte das scheinbar so idyllische Leben der Menschen beim Strandurlaub, aber auch, was hinter der Fassade steckte, die Probleme und Schwierigkeiten jedes einzelnen. Was diese Menschen am Ende alle verband, war das Schicksal eines Mädchens, das sich in eine Traumwelt geflüchtet hatte. Auch hier probierten wir wieder etwas Neues, nämlich die Verbindung von „realem Schauspiel“ mit Puppenspiel. Das war gewagt, aber es gelang. Die Puppen übrigens wurden, wie so vieles andere, was wir an Requisiten für unsere Stücke benötigen, von der Gruppe der Künstlerischen Gestaltung unter der Leitung von Cornelia Wolf gefertigt. Was sie und ihre Teams über die Jahre hinweg für uns geleistet haben, ist echt der Wahnsinn. An dieser Stelle sei noch einmal dafür Dank gesagt!

Im März folgte unsere jährliche Ausfahrt und - der aufmerksame Leser ahnt es schon – wir sahen ein Musical. „Der Schuh des Manitu“ begeisterte alle.

„Augenblicke“ war dann das erste Stück, das auf unserer Studiobühne (so nannten wir den frisch renovierten und mit neuer Technik verkabelten Probenraum) gespielt wurde. Premiere durfte es allerdings beim Welttheatertag in Bautzen feiern. Das war gewagt, denn bis eine Stunde vor Beginn kannten wir nicht die Räumlichkeiten unseres Auftritts. Doch „Augenblicke“ funktionierte so wie erwartet. Es war ein Stück, das betroffen machte, und entsprechend waren auch die Reaktionen des Publikums. Egal, ob bei der Premiere oder den folgenden Aufführungen, unter anderem in Großenhain, Sebnitz und Radebeul, es gab jedes Mal Schockmomente und Gesprächsbedarf. Diesem stellten wir uns im Anschluss an jede Vorstellung. Darf Kinder- und Jugendtheater so krass, so realistisch sein? Dürfen wir Gewalt auf der Bühne zeigen? Muss Schultheater nicht eher „schön“ sein? Die Schauspieler verteidigten vehement ihre Positionen, kämpften für „ihr“ Stück und zeigten deutlich, dass sie durchaus in der Lage waren, Realität und Schauspiel zu unterscheiden. Apropos Realität: Laura war in der Hauptrolle so realistisch, dass selbst ich bei jeder Vorstellung eine Gänsehaut bekam.

Dass wir bei den jährlichen Stadtfesten dabei waren, verstanden wir inzwischen als Selbstverständlichkeit. Weniger selbstverständlich, jedoch umso ehrenvoller für war, dass wir inzwischen schon zum zweiten Mal für die Reihe „Ganz Persönlich“ auf der Burg Stolpen gebucht wurden, um den Talk mit so großartigen Schauspielern wie Wolfgang Stumph und Dieter Mann zu umrahmen. So etwas ist natürlich auch eine großartige Erfahrung für jeden Nachwuchsschauspieler!

Alles in allem hatten wir allein bis zum September bereits zwanzig öffentliche Auftritte. Über mangelnde Präsenz konnte sich somit niemand beschweren.

Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits die Proben für „Das Dschungelbuch“. Worum es dabei geht, muss ich wohl niemandem verraten. Inzwischen war übrigens Tommy zu uns gestoßen, der die Truppe um einiges bereicherte, unheimlich gern improvisierte und erst lernen musste, dass man Texte auswendig beherrschen sollte. Er gab allerdings einen super Elefantengeneral ab. Jakob machte Mowgli zur Rolle seines Lebens, Laura als Baghira und Lisa als Balu standen ihm zur Seite, vor allem im Kampf gegen die fiese Schlange Kaa - Adrian zischte fantassssssstischschsch – und den Tiger Shir Khan, den Basti verkörperte. Dazu die Musik aus dem Disney-Film und das Premierenpublikum tobte. Sieben Aufführungen gaben wir bis zum Ende des Jahres vor weit über 1200 Zuschauern – und mit dem „Dschungelbuch“ sollte es noch ein weiteres geniales Erlebnis geben. Doch das ist dann schon wieder Thema für das kommende Jahr.

 

 

Das Jahr 2010

Nach den vielen Aufführungen des „Dschungelbuchs“ im Dezember war zunächst Aufräumen im Probenraum angesagt, eine Tätigkeit, die unseren Neigungen und Leidenschaften eher weniger entspricht. Doch der Tag der offenen Tür war vorzubereiten und eine weitere Neuerung stand ins Haus. Der Gewerbetreff Neustadt, Organisator des großen Bürgerballs in der Neustadthalle, hatte uns für die Begrüßung der Gäste vorgesehen. Lisa, Laura, Adrian und Tommy stellten sich dieser Herausforderung in Kostümen der vier Jahreszeiten und … sie absolvierten diese Aufgabe bravourös.

Natürlich gab es ein Casting und wieder vielversprechende, neue, junge Talente für unsere Bühne. Leandra, Anne und Kristin kämpften sich begeistert und begeisternd durch die diversen Aufgaben, die die Neulinge bei uns zu bestehen haben.

Anfang Februar begannen wir mit den Proben zu „Willem Tell“, ließen aber parallel das „Dschungelbuch“ noch nicht außer Acht. Das hatte einen einfachen Grund. Auf der Suche nach neuen Auftrittsorten war ich auf eine Ausschreibung des Chemnitzer Schauspielhauses für ein Theatertreffen gestoßen und hatte prompt unsere Bewerbung abgeschickt. Wir wurden genommen und durften „Das Dschungelbuch“ dort auf der großen Bühne spielen. Von zweiundzwanzig Gruppen in Chemnitz gelang es gerade mal zweien, das Haus komplett zu füllen – und eine davon waren wir! Kurzum, über 430 Zuschauer, proppenvoll, einige saßen sogar auf den Treppen, und alle bejubelten Mowgli und seine Freunde. Boah, waren wir stolz!

Ach, nur einen Tag vor der Abreise nach Chemnitz spielten wir schon einen Teil des „Willem Tell“ anlässlich der Schweizer Literaturtage in der Stadtbibliothek. Und am Montag danach fuhren wir einmal mehr nach Berlin. So langsam sollten wir Mengenrabatt bei den Musicals bekommen – diesmal war es „Dirty Dancing“. Wie immer ein großartiges Erlebnis.

Nach den Osterferien ging es weiter mit unserer Version des Schillerschen Klassikers über den Schweizer Freiheitskämpfer. Bei uns kämpfte er allerdings in der Sächsischen Schweiz, und so einige aktuellpolitische Anspielungen und Gesellschaftskritiken brachten wir auch noch unter. „Willem Tell“ alias Marcel stand dann zum ersten Mal in Radebeul auf der Bühne. Das Publikum hatte Tränen in den Augen vor Lachen, immer wieder prustete es irgendwo im Zuschauerraum.

Weitere Aufführungen folgten, unter anderem beim Straßenfest, beim Sommertheater der Neustadthalle, beim Stolpener Herbstfest und noch etliche Male auf unserer Studiobühne, dort unter anderem für eine Truppe rüstiger Senioren, die inzwischen zu unserem Stammpublikum zählten und es sich bis heute nicht nehmen lassen, uns mindestens einmal im Jahr zu besuchen.

Das Schuljahr ging mit einem gemeinsamen Bowling in der „Kugel“ zu Ende, das wir mit der Jahreshauptversammlung verbanden und bei dem wir die alte Chefin Lisa auch als neue wählten.

Der Herbst gehörte dann (nahezu) ganz den Vorbereitungen des Winterstücks. Wir hatten uns in diesem Jahr vorgenommen, Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ zu inszenieren. Kristin, die erst im Januar zu uns gekommen war (und deren große Schwester auch schon einer unserer Stars war), bekam die Hauptrolle. Die Rollenauswahl erfolgt im Übrigen bei uns immer demokratisch, das heißt, der aus Schülern bestehende Vorstand beschließt, wer welche Rolle bekommt. Nur die „Großen“ aus der 10. Klasse können sich eine Rolle wünschen, da es ihr letzter Auftritt ist. Tommy und Basti gaben die Räuberchefs, beide Lisa Maries waren die Mütter, aber der heimliche Star des Stücks war Adrian als Glatzen-Per. Keiner stirbt so schön wie er. Doch auch alle anderen glänzten, egal ob Lele als Ronjas Freund Birk, Jakob und Josie als Rumpelwichte oder Lisa und Laura als echt fiese und gemeine Wilddruden. „Ronja“ hatte traditionell am ersten Freitag im Dezember Premiere und brachte es einmal mehr auf sieben Vorstellungen mit wieder um die 1200 Zuschauern. Abschließend möchte ich einmal mehr eine Lanze brechen für unsere Techniker, die jedes Mal alle Hände voll zu tun haben, aber nur ganz selten einmal im Rampenlicht stehen. Bei „Ronja“ waren es Oli, ruhig und souverän an den Lichtreglern, und Marc, der … nun ja, eben Marc ist. Danke euch beiden, und Dank auch an alle anderen Techniker, die vor euch kamen und die euch folgen werden.

 

Das Jahr 2011

Nach dem großartigen Erfolg von „Ronja Räubertochter“ im Dezember galt es für uns, sich auch im Jahr 2011 neuen Herausforderungen zu stellen.  Und gleich zu Beginn traf es uns hart. So verabschiedeten sich mit Lisa und Laura nicht nur zwei hervorragende Schauspielerinnen, sondern auch gleichzeitig zwei Drittel des Vorstandes. Mit ihnen gingen weitere Schauspieler mit langjähriger Erfahrung, nämlich Adrian, Josie und Tommy sowie der Techniker Oli. Die somit notwendige Vorstandswahl wurde Ende Januar durchgeführt. Wir blickten zurück auf das Jahr 2010, das einiges an Höhepunkten zu bieten hatte. Doch auch Kritik kam von den Mitgliedern des Theatervereins. So wurde mehr Regelmäßigkeit bei Vorstandssitzungen eingefordert, Verhalten und Ordnung im Probenraum sollen verbessert werden und ein  intensives Pantomime-Training wurde gewünscht. 

Die sich anschließende Wahl des neuen Vereinsvorstandes fiel deutlich aus. Gewählt wurden unsere zwei Lisa Maries und Basti. Eine ihrer ersten Aufgaben war die Rollenvergabe für die neue Inszenierung „Idioten“, bei der Ika die Hauptrolle übernehmen würde.

Wenige Tage später fand das alljährliche Casting neuer Mitglieder statt. Wir entschieden uns für zwei Neuaufnahmen, nämlich Julia und Laura. Parallel dazu wirkten wir erneut an der Ausgestaltung des Bürgerballs mit, waren dabei beim Tag der offenen Tür und der Talentebühne. Und es gab in diesem Jahr keine Fahrt zum Musical sondern ins Tropical Islands. Stressfrei plantschen kann sehr erholsam sein.

Dann folgte die Premiere unseres neuen Jugendstückes „Idioten“, ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. Doch eigentlich konnte nichts schiefgehen. Zu gut waren alle vorbereitet dafür, zu sehr zerrte schon das Thema an den Nerven und zu brisant war der Stoff. Selbstmordgefahr bei Jugendlichen – so etwas auf der Bühne umzusetzen, noch dazu mit einer so jungen Gruppe, das war gewagt. Dazu kam die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Studenten Hannes Förster, der die Musik zum Stück komponiert hatte. Klein war der Kreis der Zuschauer – mit Absicht. Die Beklemmung sollte spürbar sein. Besondere Brisanz erhielt das Stück durch den Fakt, dass der aktuelle Lebensabschnitt eines Mädchens der Gruppe deutliche Parallelen zum  Inhalt der Inszenierung zeigte. Das war für Schillers Schüler Grund genug, ihr diese Aufführung zu widmen.

Ika überzeugte auf der ganzen Linie in ihrer Darstellung der Luisa, die – vom Leben enttäuscht – ins Meer gehen will und nur durch einen Zufall gerettet wird. Und auch keiner der anderen Darsteller fiel ab gegenüber den anderen, alle gemeinsam zeigten eine Topleistung. Ein lang anhaltender Applaus, ein ehrlich beeindrucktes und emotional aufgewühltes Publikum und im Anschluss noch viele, viele kleine Gespräche zwischen Beteiligten und Zuschauern … „Idioten“ war nicht nur eines der stärksten Stücke in unserer Geschichte, sondern vielleicht auch gleichzeitig das emotionalste und härteste!

Wir zeigten „Idioten nicht nur etliche Male in Neustadt, sondern auch erneut in Radebeul, Sebnitz, Stolpen und sogar in Weißwasser.

Im Herbst holten wir unseren Katzendetektiv Perry zurück auf die Bühne. Nein, wir spielten nicht die Inszenierung von 2006, sondern entwickelten ein neues, eigenständiges Stück, in dem Perry gleich mehrere Fälle gleichzeitig zu lösen hatte. Da war zunächst die Kakadu-Dame Pia, die ihre Katze suchte. Außerdem wurde Bodo, der Wachhund, in den Hals gebissen. Ja, gibt es etwa Vampire in der Stadt? Und auch Perrys Freunde benötigten seine Hilfe - der Pizzeria-Kater Alberto und die Kellnerin Paola wurden bösartig erpresst. Dann gab es noch den dicken Kater Rousseau, der nur ans Fressen denkt, eine geheimnisvolle, schöne Unbekannte, einen meditierenden Hasen …Perry hatte also alle Pfoten voll zu tun, die Fälle zu klären.

Johanna spielte den Kater souverän und fröhlich, Basti als Bodo, Lisa als Rousseau und Cello als Alberto gaben ihrem Affen Zucker und Jakob und Anne begeisterten als Kalinka tanzende russische Mäuse-Mafia. Kongenial auch Annemarie als reizvolle Katzendiva Kassandra und Tini als heimatlose Fledermaus mit Sprachfehler. Bis in die kleinste Nebenrolle hinein gaben alle ihr Bestes. Über 1100 Zuschauer sahen „Auf alle Fälle Perry“ in sieben Vorstellungen. Ein gelungener Jahresabschluss und eine große Motivation für den Einstieg ins zwanzigste Jahr des Schülertheaters.

 

 

Das Jahr 2012

Zu Jahresbeginn gab es das übliche Problem: es musste mal wieder aufgeräumt werden. Glücklicherweise finden sich dafür auch jedes Mal Freiwillige. Seit Schuljahresbeginn nutzten wir schon einen weiteren Abstellraum und die Anzahl der Schränke hatte auch schon bedrohlich zugenommen. Somit muss eigentlich regelmäßig geräumt werden – Einsicht in die Notwendigkeit.

Nach der letztjährigen Zurückhaltung beim Casting griffen wir im Januar 2012 in die Vollen: gleich fünf Neulinge sollten uns bei künftigen Auftritten unterstützen. Ida, Lilly, Emma, Annalena und Richard würden schon bald auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten.

Bis zur nächsten Probe sollte es dann aber doch etwas länger dauern als geplant. Ich brach mir das Bein und war somit für einige Wochen gehandicapt. Doch sobald ich halbwegs mit Krücken durch die Landschaft wackeln konnte, wurde wenigstens eine Probe pro Woche organisiert. Ansonsten hätten wir „De Räubor“, das für diesen Sommer geplante Theaterstück, wohl vergessen können. Einmal mehr hatten wir uns an einem Klassiker des Theaters „vergriffen“, ihn radikal gekürzt, entstaubt und in sächsische Kreuzreime übertragen.

Am 1. Juni zeigten wir „De Räubor“ zum ersten Mal, auf heimischer Bühne im Probenraum. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter. Bis Ende Juni folgten sieben weitere Aufführungen, so in Sebnitz zum Theatertreffen, in Radebeul und natürlich bei uns. Einige Klassen nutzten unser Angebot, da das Schillersche Original ja im Lehrplan steht. Etliche bestätigten, dass ihnen unsere Version sehr beim Verständnis geholfen hätte.

Für Juli waren außer unserer Abschlussparty auf der Götzinger Höhe noch zwei weitere Vorstellungen der „Räubor“ geplant. Die Polenzer Aufführung hinterließ bei uns leider einen bitteren Nachgeschmack, mussten wir doch zum ersten Mal in unserer Historie eine Vorstellung abbrechen. Geschenkt und vergessen inzwischen! Das Honorar haben wir gespendet. Dafür fuhren wir eine Woche später zum Theatertreffen nach Görlitz und zeigten unser Können auf der Bühne des Gerhard-Hauptmann-Theaters. Außerdem gab es noch eine Führung hinter die Kulissen und durch die Theaterwerkstätten. Ach ja, das müsste man auch haben … wir würden uns ja schon freuen, wenn die Aula verdunkelt werden könnte. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt!

Der September hatte es dann mal wieder in sich. Innerhalb von fünf Tagen spielten wir fünf Vorstellungen, unter anderem zum Ortsjubiläum Oberottendorf und zum Bauernmarkt in Stolpen.

Alles in allem war kein Sommerstück zuvor so häufig aufgeführt worden wie „De Räubor“, zwölfmal standen nämlich Richard und Jakob als Karl und Franz Moor auf der Bühne, starb Leandra als alter Graf und wurde Irene als Amalia erstochen.

Parallel zur Pressearbeit für SZ und Anzeiger hatten wir in den letzten Jahren zwei weitere Möglichkeiten bekommen, uns und unsere Arbeit vorzustellen. Die Sparkassenfiliale in Neustadt hatte uns ein Schaufenster zur Verfügung gestellt, das öfters nach Aktualisierung hungerte, und natürlich unsere Homepage. Da können wir aber mit Fug und Recht behaupten up to date zu sein. Allein 2012 stellten wir weit über dreißig Beiträge auf unsere Internetseite.

Zurück in den Herbst. Ab Mitte September liefen die Proben für „Hexe Lilli“. Die Idee, Knisters Kinderbuch zu dramatisieren, kam von Ika, die im Januar den Vorsitz des Vereins von Lisa Marie übernommen hatte, und nun im neuen Stück auch gleich noch die Rolle des bösen Gegenspielers Hieronymus übernahm. Die Hauptrolle der Lilli bekam Emma, die diese frisch und unbekümmert darstellte. Dabei sie gerade mal ein Dreivierteljahr bei uns, ebenso wie Anna, die den Flugdrachen Hektor spielte. Unsere Techniker Alex, Peter und Daniel konnten sich bei „Hexe Lilli“ so richtig ausleben, Es knallte und qualmte auf der Bühne, es schneite im Zuschauerraum, und der Bühnenumbau wurde gleich ins Stück mit einbezogen. Erneut schafften wir sieben Vorstellungen mit rund 1100 Zuschauern. Und zur letzten gab es – auch das inzwischen schon eine Tradition bei uns – ein kleines Weihnachtsgeschenk für alle.

 

 

Das Jahr 2013

Zwanzig Jahre Schillers Schüler – wir sind im Jubiläumsjahr angekommen und die Planung des ersten Halbjahres konzentrierte sich natürlich nahezu vollständig darauf. Nahezu … denn gleich zu Jahresanfang trat ein Problem auf, mit dem keiner gerechnet hatte: ein Wasserschaden im kompletten Erdgeschoss des Westflügels. Und das betraf also auch unseren Probenraum.

Wir wichen somit auf diverse Klassenzimmer und die Aulabühne aus. Da zum Beispiel fand Ende Januar das traditionelle Casting statt. Dreizehn Mädchen und Jungen stellten sich, vier schafften es, diese Hürde mit Bravour zu nehmen. Die kompetente Jury, bestehend aus Ika, Annemarie und Alex, entschied sich für drei Mädchen und einen Jungen. Max Mielke und die Grazien Nora Dambuk, Nikita Draws (deren großer Bruder auch schon bei uns war) und Ida Katharina Hillenbrand (ein Name, wie gemacht für eine Schauspielerin) sollten also beim Jubiläumsprogramm erstmals mit auf der großen Bühne stehen.

Die Planung für „Alles Banane!“, so der Titel des Festprogramms, hatte begonnen. Ich stellte dem Team eine Reihe von Texten vor und gemeinsam entschieden wir über Annahme und passende Besetzung. Dabei waren Gedichte und Sketche von Loriot, Herricht & Preil, Monty Python, Heinz Erhardt usw.

Die ersten Monate des Jahres vergingen wie im Fluge, so viel musste vorbereitet und organisiert werden. Und im April arbeiteten wir dann im Prinzip eine ganze Woche durch, um das Jubiläumswochenende zu organisieren. Wir hatte die Kulturscheune in Langburkersdorf gemietet, den ganzen Raum mit Kulissen, Kostümen und Requisiten aus zwanzig Jahren Vereinsgeschichte gestaltet, Licht und Ton eingerichtet, geprobt, geprobt, geprobt, die druckfrischen Vereinsbroschüren abgeholt (Ein Dank an Päßlers!!!), Bänke und Tische gestellt und noch Vieles mehr. Was wir in dieser Woche gerackert hatten, nötigt mir bis heute Respekt ab.

Am Freitag, dem 12. April, rückten wir gegen 8 Uhr morgens ein in die Kulturscheune. Generalprobe, Einrichten, Tischdeko, Brötchen schmieren für 200 Gäste, Getränke sortieren und, und, und …

Und abends dann die große Party. Die Premiere war super, die Sketche kamen sehr gut an, das Publikum amüsierte sich prächtig. Geschenke zum Geburtstag gab es natürlich auch, zum Beispiel neue Vereins-T-Shirts.

Am Samstag, dann noch einmal das Ganze für die Öffentlichkeit, mit Kaffee- und Kuchenverkauf. Ja, und der Sonntag war dann der Tag, an dem wir alles wieder aufräumen durften.

Der Rest des Schuljahres bis zu den Sommerferien war angefüllt mit weiteren Aktionen , so der Vorstandswahl, bei der Kristin Waurich als neue Chefin in die Fußstapfen ihrer Schwester trat, die einige Jahre zuvor diesen Posten innehatte. An ihrer Seite stehen in diesem Jahr Anne Rößler und Richard Eisold.

Weitere Auftritte mit „Alles Banane!“ folgten zum Kinder- und Familienfest, dem Straßenfest und einem Auftritt vor der Stadtverwaltung. Zum Schuljahresende konnten wir dann endlich unseren nunmehr trockengelegten Probenraum wieder beziehen. Den Abschluss des Schuljahres feierten wir mit einer Bowlingparty.

Und schon ging es in die Planung für den Winter. Das diesjährige Weihnachtsstück sollte Cornelia Funkes “Tintenherz“ werden. Doch zunächst gab es noch zwei weitere Aufführungen von „Alles Banane!“ in Stolpen und für unsere „Stammsenioren“.

Dann wurde an „Tintenherz“ gearbeitet, wie immer inklusive Workshopwochenende (endlich wieder in Bautzen) und Dönerworkshop zum Buß- und Bettag. In den Hauptrollen wirkten Richard als Mo, Nikita als Meggie und Anne als Meggies Mutter. Tini  spielte den bösen Capricorn herrlich fies und gemein, und Nora zeigte die Figur des Staubfinger in all ihrer inneren Zerrissenheit.

Die Premiere feierten wir am Freitag, dem 6. Dezember. Sechs weitere Vorstellungen folgten, rund eintausend Zuschauer sahen „Tintenherz“, das bis heute neben „Saaski“ und der „Unendlichen Geschichte“ zu meinen Lieblingsstücken zählt.

 

Das Jahr 2014

Das Jahr 2014

Wenn man ein Jahr wie 2014 mit etwas Abstand betrachtet, dann könnte man ein solches durchaus als eines der ruhigeren bezeichnen. Das heißt dann nicht mehr und nicht weniger als:

Wir hatten alle Hände voll zu tun, ein Termin jagte den nächsten, aber keiner ist am Herzinfarkt draufgegangen.

Der Januar begann mit einer intensiven Probe zu „Tintenherz“, der eine Bewerbungsaufführung folgte, hatten wir uns doch für das Schultheatertreffen in Chemnitz beworben. Wir waren stolz auf unsere Inszenierung, unser Bühnenbild, unsere Kostüme und hatten ja auch schon reichlich äußerst positives Feedback bekommen – trotzdem reichte es nicht. Die Begründung hierzu war sehr kurz und nichtssagend, was wir als kritischen Punkt den Verantwortlichen gegenüber anmerkten. Wie sollen wir schließlich etwas verbessern, wenn wir nicht wissen, was es ist?

Auf jeden Fall war es eine Erfahrung, die man vielleicht auch einmal haben sollte. Nicht immer könne wir schließlich von Erfolg zu Erfolg eilen. Auch aus Niederlagen kann man lernen. Und so war es allen Beteiligten klar: im nächsten Jahr bewerben wir uns wieder (und wieder und wieder und wieder …)

Beim Tag der offenen Tür präsentierten wir einmal mehr unser Schülertheater, und beim Casting kürten die Juroren Anne und Tini vier neue, nämlich Emma Schindler, Marissa Conrad, Maximilian Müller und Chris Ebermann.

Beim Bürgerball stellten wir einmal mehr die Begrüßungsgetränke-Überreicher in bunten Kostümen und blumiger Gesichtsbemalung. Dafür ein Dank an Leandra, Anne und Tini.

Und somit konnten wir mit neuer Besetzung und unter Verabschiedung von Leandra und Johanna, die als Zehntklässler nunmehr ihren Prüfungen entgegenfieberten, unbelastet in die Porben für unser Sommerstück „Nichts“ gehen.

Beim Stöbern nach einer interessanten Buchvorlage waren wir auf das gleichnamige Jugendbuch von Janne Teller gestoßen, begeisterten uns sofort dafür und bauten eine atmosphärisch dichte und ziemlich krasse, um nicht zu sagen brutale Inszenierung zusammen.

Vor der Premiere jedoch hatten wir noch einige weitere Events, so unsere Jahreshauptversammlung, bei der Anne den Vorsitz übernahm, das Neustädter Frühlings-Highlight „Neustadt blüht auf“ und natürlich unsere Berlinfahrt zum Musical – mittlerweile ja schon eine langjährige Tradition.

Im Mai dann also die Premiere von „Nichts – was im Leben wichtig ist“, Anne und Nikita glänzten in den Hauptrollen, aber auch alle anderen spielten echt stark in dieser Geschichte darüber, wie weit wir bereit sind zu gehen, um zu zeigen, was für uns im Leben wirklich wichtig ist.

Bis zu den Sommerferien folgten noch acht oder neun weitere Aufführungen, öffentlich, für Klassen und beim Theatertreffen in Radebeul an den Landesbühnen.

Außerdem waren wir einmal mehr beim Straßenfest dabei, trainierten Pantomime auf dem Schulhof, wollten eigentlich zum Musical „Fame“ auf der Felsenbühne Rathen, das aber wegen Schlechtwetter ausfiel, und diskutierten schon wieder heftig über das nächste Winterstück.

Nach den Sommerferien gab es dann auch die dicke Textkladde für „Das wilde Määäh“, eine ebenso bunte wie fröhliche Tiergeschichte über ein schwarzes Schäfchen, das im Wald von Wölfen großgezogen wird und lernt, seinen eigenen Weg zu gehen. Das Kinderbuch von Vanessa Walder lieferte die Vorlage und, soviel sei hier schon verraten, die Autorin besuchte uns sogar und war begeistert von unserer Umsetzung ihrer Geschichte.

So füllten wir also den Herbst mit Proben, waren zwischendurch mit eigenem Grillstand bei der Neustädter Einkaufsnacht dabei, verlebten ein ebenso spannendes wie auch lustiges und probenintensives Workshop-Wochenende in Bautzen und verbrachten einmal mehr den Buß- und Bettag mit einer Dönerprobe.

Am 3. Dezember spielten wir zum ersten Mal vor Publikum, am 5. Dezember feierten wir die Premiere und bis Weihnachten folgen noch weitere vier Vorstellungen mit insgesamt etwa 1000 Zuschauern.

Im Großen und Ganzen also ein „ruhiges“ Jahr, nicht wahr?

 

Das Jahr 2015

Das Jahr 2015

Ihr erinnert euch? Im Vorjahr waren wir in Chemnitz abgelehnt worden. Nun konnten wir ja so etwas nicht auf uns sitzen lassen und waren somit zum erneuten Angriff übergegangen. Wir hatten uns also erneut beworben, und nachdem ja selbst die Autorin Vanessa Walder von unserem Stück „Das wilde Määäh“ hin und weg war, uns zum (wörtlich!!!) „besten Theaterverein der Welt“ gekürt hatte, was sollte da noch schiefgehen?

Wir spielten somit im Januar eine Bewerbungsvorstellung für die Chemnitzer Jury, hatten uns dazu noch eine Großladung Grundschüler aus dem Neustädter Raum eingeladen, und überzeugten! Im April sollte es dann also nach Chemnitz gehen!

Zuvor jedoch einmal mehr die Mühen und Verpflichtungen des Alltags: Tag der offenen Tür – wie immer ein kleines Highlight, vor allem dann, wenn Eltern mit ihren Grundschulkindern kommen und diese dann stolz erzählen, dass sie schon in der Grundschule Theater spielten und nun gern an unsere Schule kommen wollen, um hier weiter spielen zu können. Na, wenn das kein Grund zur richtigen Schulwahl ist!

Außerdem vertraten uns Anne und Tini zum Bürgerball, wir fuhren zum „Mamma Mia“-Musical nach Berlin und casteten wie in jedem Jahr.

Die Bewerberzahl war nicht so üppig wie im Vorjahr, dafür war die Qualität sehr hoch. Am Ende entschieden wir uns für zwei Neue: Anna Marie Bergemann und Dominik Raupbach. Beide haben sich inzwischen als echte Bereicherung für die Truppe erwiesen und bereits in Hauptrollen geglänzt!

Im Herbst hatten wir uns im Übrigen in Vorbereitung des „Wilden Määäh“ in gegenseitigem Einvernehmen von Chris verabschiedet, bei dem sich die Hobbytermine von Theater und Fußball so häufig überschnitten, dass er eine Entscheidung treffen musste – leider gegen uns und für König Fußball. Schade – aber wenigstens offen und deutlich geklärt, so dass am Ende beide Seiten zwar traurig waren, sich aber erhobenen Hauptes anschauen konnten.

Und auch von einem unserer Maxe trennten wir uns in diesem Frühjahr: Max Mielke musste uns leider verlassen, da er seinen schulischen Prioritäten in den letzten Monaten etwas anders gesetzt hatte, als er das hätte tun sollen, so dass die logische, wenn auch unangenehme Konsequenz der Abschied aus dem Schülertheater war.

Ich finde es jedes Mal aufs Neue schade, wenn Eltern ihren Kindern gegenüber solche Druckmittel benutzen. Auch wenn ich die Beweggründe durchaus verstehe, so bin ich doch der Auffassung, dass man dem Kind, das in der Schule nicht die gewünschten Leistungen erbringt – aus welchen Gründen heraus auch immer – nicht einen für es selbst wichtigen Grund, gern in die Schule zu gehen nehmen sollte, um damit eine Leistungssteigerung zu forcieren – das erscheint mir kontraproduktiv.

Das Thema „Schulbesuch“ war auch eines der Hauptthemen unserer neuen Frühjahrsinszenierung „Sternzeichen Ameise“. Auf der alljährlichen Suche nach einem geeigneten Stoff waren wir auf „die Ameisensiedlung“ von Mirijam Günter gestoßen, deren Erstlingswerk wir ja bereits vor einigen Jahren erfolgreich inszeniert hatten, waren wir doch sogar bis nach Köln damit gereist, ihr erinnert euch?

Wir probten also parallel für Chemnitz und die neue Inszenierung, spielten in Chemnitz erfolgreich auf der kleinen Bühne des Schauspielhauses, waren zwischendurch noch zu einem Kennenlernworkshop in Zwönitz, lernten in Chemnitz nicht nur die Arbeit anderer Gruppen kennen, sondern führten auch unsere Jahreshauptversammlung durch, wählten Emma, Lilly und Annalena in den Vorstand, zeigten uns zu „Neustadt blüht auf“ und dem Straßenfest, agierten und interagierten mit dem Publikum beim Kinder- und Familienfest, traten mit „Sternzeichen Ameise“ im Mai und Juni sieben Mal auf, entdeckten Pois und MorphSuits für uns und … und … und …

Anne, Tini und Richard waren die drei, von denen wir uns verabschieden mussten, ebenso von Nick, der nicht nur hervorragend grillen kann, sondern uns auch über Jahre hinweg als stiller, zuverlässiger und selbstständiger Techniker begleitet hatte – inzwischen war Tom in unser Theaterleben getreten, der ihn nunmehr vertrat.

Im Winter sollte dann „Peter Pan“ auf die Bühne kommen, so der Wunsch der Truppe, und somit durfte ich zum ersten Mal ein bereits gespieltes Stück neu inszenieren. Die Unterschiede zur Inszenierung von 1997 waren jedoch so gewaltig, dass von Ähnlichkeiten nur hinsichtlich des Inhalts (logisch) die Rede sein konnte. Ansonsten entstand eine ebenso bunte und farbenfrohe Aufführung, die kurzweilig und voller Lebens- und Spielfreude herüberkam, und außerdem etwas beinhaltete, was wir seit einigen Jahren nicht mehr probiert hatten, diesmal jedoch intensivierten und im Folgejahr noch verstärken sollten und wollten: den Live-Gesang!

Also folgten ab Ende August etliche Proben für den „Peter Pan“, gemischt mit weiteren Aufführungen von „Sternzeichne Ameise“, den traditionellen Herbst-Events wie der Einkaufsnacht und natürlich dem Workshop-Wochenende und dem Döner-Workshop.

„Peter Pan“ hatte am 4. Dezember Premiere, weitere fünf Vorstellungen folgten bis zum Jahresende. Am Donnerstag vor dem Workshopwochenende gab es noch eine kurze, aber intensive WhatsApp-Konferenz, in der ein Rollentausch besprochen werden musste. Ida war leider so heftig erkrankt, dass nicht nur die weiteren proben mit einem Fragezeichen versehen werden mussten sondern auch die Premiere in Gefahr war. Wir schoben also die möglichen Optionen hin und her, und akquirierten dann unsere Souffleuse als Schauspielerin. Dadurch mussten zwei weitere Rollen verschoben werden, aber die Mädchen waren so fleißig, dass sie es tatsächlich schafften, am Samstagabend, also gerade einmal 48 Stunden später, die neuen Rollen draufzuhaben. Respekt!

Und auch Nikita hatte sich inzwischen mit der Idee angefreundet, live zu singen, etwas, was sie eigentlich überhaupt nicht hatte tun wollen.

Dominik gab einen exzellenten Peter Pan, Emma wirbelte als Käpt’n Hook dermaßen schräg über die Bühne, dass kaum ein Auge trocken blieb, und als Ida, die inzwischen von den Halbtoten auferstanden war und die Rolle des Krokodils übernommen hatte, das gleichzeitig als Souffleuse fungierte, als sie jedenfalls einmal den Termin der Aufführung schlichtweg verpennt hatte, war es mir ein großes Bedürfnis und eine Ehre, beim Spiel selbst mitzuwirken und ein würdiges Krokodil zu geben!

Na, wenn alles so läuft, dann sollte doch die nächste Bewerbung für Chemnitz kein Problem sein, oder?

 

Das Jahr 2016

2016

Nun habe ich in den Rückblicken auf die vergangenen Jahre ja schon einige Male mit Superlativen gearbeitet, doch was 2016 alles auf uns einstürmte – und das zumindest zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes – das war schon eine deutliche Steigerung.

Das Jahr 2016 begann dabei eigentlich recht normal, nein, falsch! Denn der Musical-Besuch, einmal mehr in Berlin, dieses Jahr zu „Chicago“, war schon ein Highlight. Alsdann folgte der obligatorische Tag der offenen Tür, zu dem über 500 Gäste in die Schule strömten. Nun mag der eine oder andere vielleicht denken, dass so ein Vormittag nichts allzu Besonderes sei, doch sollte dabei nicht unerwähnt bleiben, dass so ein Theaterraum – während des laufenden Betriebes – ja aufgeräumt, gereinigt, mit Kulissen, Requisiten und Kostümen ausstaffiert und mit Fotos und Wandzeitungen behängt werden muss. Und wenn dann alles vorbei ist, dann muss ja auch die vorangegangene Grundordnung wieder hergestellt werden. Diese Aktionen benötigen schon etwas Zeit. Außerdem stand eine weitere Vorstellung von „Peter Pan“ an, Grundschüler im Publikum und außerdem die Jury der Chemnitzer Schultheaterwoche, denn wir hatten uns wieder beworben.

Die Vorstellung lief richtig gut, und zwei Wochen später bekamen wir die Zusage. Zum dritten Mal nun schon! Also Vorbereiten, Planen, Üben!

Weiter ging es mit dem Casting. Erneut stellten sich eine ganze Reihe junger Talente der Herausforderung, und mit Vivien, Axel und Richardkamen drei potenzielle Stars ins Team.

Inzwischen liefen die Planungen für das neue Stück und wir stießen unter anderem auf Texte von Janne Teller, deren Bestseller „Nichts“ wir ja schon vor zwei Jahren auf die Bühne gebracht hatten. Wir entschieden uns für zwei Texte völlig unterschiedlicher Art aus ihrem Band „Alles“, Texte, die jedoch eines gemeinsam hatten – die Frage nach unseren Grenzen, sowohl den inneren, den persönlichen, als auch denen unserer Gesellschaft.

Die Probenarbeit gestaltete sich so spannend wie selten. Wir teilten den ersten Text, einen reinen Monolog, in viele Teile auf, überlegten uns die Figuren dazu, entwickelten Rollenbiografien und gründeten sogar eine Partei. Auch der Titel wurde diskutiert und nach einiger Zeit entschieden wir uns für „Weil es darum geht – eine deutsche Bestandsaufnahme“, noch nicht wissend, wie lange uns dieses Stück begleiten würde.

Bei der Rollenvergabe stießen wir zur Vorstandssitzung auf eine weitere neue Herausforderung. Was die Rolle der Hanna Henrike Nielsen betraf, der Protagonistin des zweiten Teils, konnten wir uns nicht eindeutig auf die Besetzung einigen. Also setzten wir ein „Hauptrollen-Casting“ der drei Bewerberinnen an, das per Votum durch alle anderen mehrheitlich zur Entscheidung führte. Eindeutige Siegerin wurde Emma Drosdek.

Auf der Suche nach jemandem, der Deutsch mit Akzent spricht (das war für eine der Rollen in „Weil es darum geht“ nötig), sprach ich Najib an, der sich nicht nur bereit zeigte, den Text einzusprechen, sondern auch Interesse daran äußerte mitzuspielen. Und so kam der erste Flüchtling unserer Geschichte ins Schülertheater.

Im März fuhren wir zum Kennenlernworkshop nach Chemnitz, wiederum zwei Wochen später zur Schultheaterwoche, sahen dort unsere Partnergruppe wieder, spielten „Peter Pan“ sehr erfolgreich auf der großen Bühne des Schauspielhauses und gewannen zwar nicht den Pokal, aber den Preis für die strahlendsten Kinderaugen! Was soll da schon ein Pokal!

Beim städtischen Frühlingsfest „Neustadt blüht auf“ waren wir als nächstes dabei, sowohl mit Pantomime in MorphSuits, als auch und vor allem m it dem Kurzstück „Das Goll’sche Rad“, sozusagen ein Auftragswerk zur lokalen Legende, die die Basis für den alljährlichen Spaßwettkampf in Neustadt bildet.

Dann hatte „Weil es darum geht“ Premiere. Einmal mehr gelang es uns, das Publikum atemlos-geschockt-betroffen-nachdenklich zu hinterlassen, als das Licht am Ende der Vorstellung verlosch. Übrigens hatten wir uns im Vorfeld dafür entschieden, für dieses Stück keinen Eintritt zu verlangen, sondern um Spenden zu bitten. Diese sollten nach Absetzung der Inszenierung geschlossen an „Save The Children“ gehen, eine Organisation, die sich um Flüchtlingskinder in Erstaufnahmelagern kümmert. „Weil es darum geht“ wurde mit 17 Aufführungen (mindestens, wir wissen es nicht genau …) das meistgespielte Stück unserer Vereinsgeschichte und sollte über € 530 an Spendengeldern einspielen.

Beim Amateurtheatertreffen der Landesbühnen in Radebeul glänzten wir ebenfalls mit einer herausragenden Aufführung und erkämpften uns so den erstmals ausgelobten Sonderpreis des Fördervereins der Landesbühnen Sachsen. Wow! Wir hatten einen Preis gewonnen! Und € 250 dazu! Genial!

Vor den Sommerferien spielten wir „Weil es darum geht“ schon etliche Male, waren außerdem präsent beim Straßenfest und auch beim Kinder- und Familienfest des ASB und der Neustadthalle aktiv, einerseits mit Pantomime und Animation, und andererseits mit Kinderschminken. Hut ab vor der Leistung von Jule und Jenni, die bei diesem Event über vier Stunden ununterbrochen durchschminkten, ohne jegliche Pause!

Mit dem Sommerbeginn verabschiedeten wir uns von vier langjährigen Stützen des Vereins, den Schauspielerinnen Annalena, Julia, Laura und Marie Louise.

Nach den Ferien lief „Weil es darum geht“ weiter, unter anderem im Theatre Libre in Sebnitz und im Basaltkeller des Stolpener Rathauses beim Tag des offenen Denkmals.

 

Parallel dazu begannen die Proben zu „Tarzan“, dem neuen Winterstück, das, ohne zu übertreiben,

zum Musical wurde, mit Live-Gesang und Live-Musik, in Zusammenarbeit mit der neu gegründeten

Schulband unter Leitung von Hannes Förster.

 

Nebenbei bauten wir die Kulissen, verkleideten das Technikpult im Probenraum, erfanden den

„Multi-Baum“ und kreierten die nächste Neuerung: nachdem im letzten Jahr ja schon die Souffleuse

zur Schauspielerin wurde, mussten bei „Tarzan“ erstmals die Techniker mit ran als Schauspieler. Ihr

Pult verwandelte sich in ein Schiff und sie übernahmen die Rollen der Schiffsbesatzung.

 

Das alljährliche Workshop-Wochenende wurde zum Gesamt-Happening mit Band, ebenso der Dönerworkshop.

 

Inzwischen hatten wir uns, aufmerksam gemacht von der Aktion Zivilcourage, für einen weiteren Preis beworben, der sich „Selbstverständlich Menschlich“ nannte. Wir wurden zur Preisverleihung ins Hanno nach Pirna eingeladen, wo acht von vierzehn Aktionen aus unserem Landkreis, Dresden und dem Raum Riesa prämiert wurden, von denen sechs mit Flüchtlingen gekocht hatten. Nun war zwar Najib bei uns im Team, aber wir hatten bisher nur gemeinsam Döner gegessen. Also gingen wir,  preismäßig gesehen, zwar leer aus, hatten aber – zumindest gefühlt – die längste Fotosession aller Beteiligten, genossen die Musik und den Abend bis zum Ende und plünderten das kalte Buffet.

 

Die „Tarzan“-Premiere rockte die Aula der Schillerschule Anfang Dezember, fünf weitere Vorstellungen folgten. Axel zeigte sich ganz stark in seiner ersten Hauptrolle, Lilly sang sich die Seele aus dem Leib und Marissa und Emma begeisterten als verrückt-dynamisches Elefanten-Gorilla-Duo. Einmal mehr müssten alle genannt werden, denn jeder gab sein Bestes und wuchs über sich hinaus.

 

Auch für 2017 wollten wir uns wieder bei der Chemnitzer Schultheaterwoche bewerben, konnten uns aber nicht entscheiden, ob mit „weil es darum geht“ oder mit „Tarzan“. Also reifte der Entschluss, es mit beiden zu versuchen, wohl wissend, welche Riesenherausforderung da vor uns stand.

 

Inzwischen war uns eine weitere Einladung für eine Preisverleihung ins Haus geflattert. Wir waren nominiert für den Jugend-Ehrenamtspreis des Landkreises. Eingerührt hatte das Thomas Beier vom MehrGenerationenHaus und langjähriger Freund unseres Theaters, in Zusammenarbeit mit Emma. Und dieses Mal geschah das kaum noch Erwartete: Wir erhielten den Preis! Von über dreißig Nominierten gehörten wir zu den drei Preisträgern! Hui! Stolz!

 

Stolz bin ich in diesem Jahr auch auf Jule und Jenni, unsere zwei langjährigen Maskenbildnerinnen, die auch nach dem Ende der Kunst-AG zu uns gehalten hatten. Da sie nun auch schon in der zehnten Klasse waren, machten sie sich Sorgen um den Fortgang ihrer Sparte, organisierten ein Schmink-Nachwuchs-Casting und bildeten dann selbstständig die vier Nachfolgerinnen aus, also Jamie, Rosalie, Kata und Lea, zu denen sich dann auch Jasmin gesellte. Respekt vor so viel Selbstständigkeit und Eigenverantwortung!

 

Na, zu viel versprochen? Ich glaube nicht. 2016 war ein echt geiles Jahr!